Mundpropaganda : Auf Stellensuche – Wie man das eigene Netzwerk nutzt

Keine interessante Stellenazeige in der Zeitung? Das könnte daran liegen, dass viele Jobangebote dort gar nicht landen.

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Mitteilen. Wer niemandem von der Jobsuche erzählt, verpasst Chancen. -Foto: dpa

Der Grund: Mundpropaganda ist bei einer Stellensuche oft entscheidend. Denn ein Großteil aller Jobs werde auf dem „verdeckten Stellenmarkt“ vergeben, erläuterte die Karriereberaterin Madeleine Leitner aus München.

Bevor eine Stelle ausgeschrieben wird, hörten sich viele Arbeitgeber zunächst einmal um, ob jemand im Betrieb einen passenden Kandidaten kennt. Bewerber müssten daher versuchen, sich bereits in dieser Phase ins Gespräch zu bringen. Dafür sollten sie all ihren Bekannten Bescheid geben, dass sie eine Stelle suchen. Das trauten sich einige aber nicht: „Viele schämen sich und erzählen lieber nichts davon.“    Wichtig sei es aber, die eigene Stellensuche offenzulegen, empfahl Leitner. Nur so können andere einen bei ihrem Chef empfehlen, wenn ein Job zu besetzen ist. „Das Falscheste, was man machen kann, ist es, zu Hause zu hocken und Bewerbungen im stillen Kämmerlein zu schreiben.“ Stattdessen sollten Bewerber zum Beispiel Freunde und Verwandte bitten, für sie ein gutes Wort einzulegen, wenn sie von einer freien Stelle erfahren. Aber auch frühere Kollegen, Nachbarn oder Vereinskameraden könnten helfen, indem sie für Bewerber bei der Jobsuche die Augen und Ohren offenhalten.

   Wie Bewerber andere am besten dazu bringen, hängt aber davon ab, wie gut sie diese kennen. „Bei Freunden kann ich ganz offen sagen, dass ich eine Stelle suche“, erläuterte Leitner. Denn sie dürften in der Regel gerne ihre Mithilfe anbieten. Ihnen sollten Bewerber auch möglichst genau erklären, welche Stelle sie suchen und welche Qualifikationen sie dafür zu bieten haben. „Je klarer ich das beschreibe, umso besser kann der andere mir helfen.“ Ist die Beziehung weniger eng, fallen Bewerber lieber nicht gleich mit der Tür ins Haus. Denn wer zum Beispiel einen früheren Kollegen kontaktiert, vergrätzt ihn leicht, wenn er sich sofort als Bittsteller an ihn wendet. „Man darf nicht als ersten Eindruck vermitteln: ''Ich bin ein Problemfall.'' Da geht die Klappe beim anderen gleich runter“, erklärte Leitner.

Bewerber brauchen in solchen Fällen also einen anderen Grund als ihre Stellensuche für die Kontaktaufnahme. Denn sie bringt wenig, wenn sie offensichtlich nur zum Netzwerken dient. „Leute hassen es, wenn sie benutzt werden“, sagte Leitner. „Solches ''Networking'' klappt nur, wenn man zeigt, dass man sich für den Menschen interessiert.“

Mitunter muss ein Gefallen dabei gar nicht groß sein, um Bewerbern einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen. Manchmal reiche es dafür schon, wenn ein Bekannter im Betrieb es für Bewerber übernimmt, ihre Unterlagen persönlich in die Personalabteilung zu bringen oder dem Chef auf den Tisch zu legen – dann dürften sie zumindest nicht gleich im Stapel der Bewerbungsmappen verschwinden. dpa

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