Museen : Folkwang-Neubau mit straffem Zeitplan

Die Bauarbeiten am Essener Museum Folkwang haben begonnen. Es wird eine zeitliche und künstlerische Herausforderung, den Neubau bis 2010 fertig zu stellen.

Tonia Haag[ddp]
Folkwang
Eine Computergrafik zeigt die Ostseite des Museums Folkwang nach plangerechter Fertigstellung der Umbaumaßnahmen im Herbst 2009 -Foto: ddp

EssenEs ist ein ehrgeiziges Projekt. Zum "herausragenden künstlerischen, urbanen und gesellschaftlichen Anziehungspunkt" soll er werden, der Neubau des Essener Museums Folkwang. Das hat sich die Museumsverwaltung selbst zum Ziel gesetzt. Doch derzeit bedarf es noch einer gehörigen Portion Fantasie, um sich nicht nur Ausmaße, sondern auch das glänzende, grünliche Erscheinungsbild des geplanten Neubaus vorstellen zu können. Wo in rund zwei Jahren der 12.200 Quadratmeter große Gebäudekomplex stehen soll, dominieren heute Bagger und Bauschutt das Bild.

Der Zeitplan ist eng gefasst. Rund vier Monate nachdem die Jury den Entwurf des britischen Architekten David Chipperfield einstimmig zum Sieger erklärt hatte, rückten vor drei Wochen bereits die ersten Baufahrzeuge in Essen an. Ihre Aufgabe: den bisherigen Neubau aus den 80er Jahren zu entkernen und abzureißen.

2010 muss alles fertig sein

"Ab Oktober soll bereits der erste Beton fließen", erläutert Projektleiter Jens Balke den weiteren Plan. Verzögerungen beim Ablauf können sich Arbeiter und Planer kaum leisten, schließlich will Essen als europäische Kulturhauptstadt 2010 mit dem neuen Gebäudekomplex glänzen.

Mit den bisherigen Fortschritten ist Balke zufrieden: "Wir kommen derzeit gut voran", betont der Bauingenieur. Dabei sind Abrissbirnen oder sonstige brachiale Abrissmethoden wegen der Erschütterungen auf der Baustelle verboten. Zum wichtigsten Werkzeug wird daher die überdimensionale "Zange" eines Langarmbaggers. "Diese knabbert den Beton förmlich an", erläutert Balke. Weil sie eine Druckkraft von bis zu 20 Tonnen entwickle, zerbröckle der an sich harte Beton wie Sand.

Ausstellungsstücke gehen auf Wanderschaft

Im Inneren des Gebäudes erinnert inzwischen nichts mehr daran, dass hier noch vor gut einem Monat reger Museumsbetrieb herrschte. Depots und Ausstellungsräume sind ebenso wie der Verwaltungstrakt geräumt worden. Aus den zum Teil abgerissenen Decken baumeln zahlreiche Kabel, Fenster sind zersplittert, ganze Außenwände verschwunden. An den noch stehenden Wänden warten säuberlich von einander getrennt Metallteile, Dämmmaterial und Kabelschnüre auf den Abtransport.

Bis der Neubau bezugsfertig ist, will das Museum Teile seiner Ausstellungsstücke auf Wanderschaft schicken. So sollen in der Essener Villa Hügel in Kürze die 60 bedeutendsten Gemälde des Folkwang-Bestandes zu sehen sein, darunter Werke von Munch, van Gogh und Delacroix. "Zusätzlich ist eine kleine Ausstellung im Bottroper Museumszentrum 'Quadrat' geplant", berichtet der Sprecher des Museums Folkwang, Hendrik von Boxberg. Zahlreiche weitere Objekte sollen in Kunstdepots untergebracht werden.

"Größter Entwicklungsschritt in hundertjähriger Geschichte"

Doch auch auf Ausstellungen in den bekannten Folkwang-Räumlichkeiten müssen Besucher während der Bauzeit nicht ganz verzichten. Da der denkmalgeschützte Altbau des Museums nicht abgerissen wird, sind die dort untergebrachten Teile der Dauerausstellung weiter zu sehen - allerdings erst wieder nach Beendigung der Abrissarbeiten Ende September. "Wir mussten wegen der Erschütterungen durch die Bauarbeiten auch im Altbau viele Bilder von den Wänden nehmen", erläutert Museumssprecher Boxberg.

Für das Museum ist der Neubau nach eigener Einschätzung "einer der größten Entwicklungsschritte seiner über hundertjährigen Geschichte". Daher soll das neue Gebäude auch eine Investition in die Zukunft sein. "Ich hoffe, dass es länger steht, als der jetzt abgerissene Gebäudeteil von 1983", der bereits stark sanierungsbedürftig war, sagt Balke. Auch die Alfried-Krupp-von-Bohlen-und- Halbach-Stiftung dürfte sich eine deutlich längere Haltbarkeit wünschen. Immerhin finanziert sie den Neubau mit rund 55 Millionen Euro.