Der Tagesspiegel : Museumspark Rüdersdorf: Weg zurück ins Mittelalter

Helmut Caspar

Hinterlassenschaften des Mittelalters finden sich an vielen Bauwerken in Berlin und Brandenburg: als Kalkstein aus Rüdersdorf. Der wurde hier schon vor 500 Jahren gebrochen und in einem aufwendigen Verfahren gebrannt. Zeugnisse dieses Industriezweiges sind im Museumspark erhalten, der sich zunehmender Beliebtheit erfreut - besonders bei Berlinern. Zum heutigen "Tag des offenen Denkmals" wird mit vielen Besuchern gerechnet, die Führungen durch das Gelände mitmachen wollen.

Unter Denkmalschutz stehen die Anlagen in Rüdersdorf schon seit DDR-Zeiten, doch wurde für ihren Erhalt wenig getan. Kurz vor der Wende sei sogar das zur Ruine verkommene Bergamt gesprengt worden, bedauert Museumsleiterin Eva Köhler. Heute deuten nur noch aufgeschichtete Steine die Umrisse an. Über die Zeiten haben sich zwei Brenntürme von 1805 und 1817 gerettet, weil man sie, als sie nicht mehr den Anforderungen genügten, für Wohnzwecke und als Abstellkammern benutzt hat. Besucher können heute eine solche Wohnung samt spartanischem Inventar besichtigen. Mit einem Aufwand von zwei Millionen Mark restauriert, stehen die Öfen als viel bewunderte technische Denkmale da. Die nach dem englischen Grafen Benjamin Rumford benannten Brennöfen suchen in Europa ihresgleichen. Vor 200 Jahren hatte der Graf einen mit Torf, später mit Steinkohle beheizten Ofen konstruiert, der in Rüdersdorf nachgebaut wurde. Herzstück ist ein Brennschacht, in den zerkleinerter Kalkstein gefüllt wurde. Aus Öffnungen an der Sohle holten Arbeiter den über mehrere Stunden gebrannten und damit chemisch veränderten Stein heraus. Dass man im neunzehnten Jahrhundert bei Industriebauten wirtschaftliche Zweckmäßigkeit mit klassizistischer Ästhetik zu verbinden verstand, zeigt das mit der Jahreszahl 1816 und gusseisernen Löwenköpfen versehene Bülowportal. Es ist wie eine Brücke konstruiert und überspannt einen Kanal, der die Kalksteinbrüche mit märkischen Wasserstraßen verband. Ein ähnliches, nach Bülows Ministerkollegen Heinitz benanntes Portal über einem noch zugeschütteten Kanal gerade erst wurde vor einiger Zeit restauriert.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben