Musik : Diese Konzerte sind der Knaller

Die Klassikfestivals des Brandenburger Sommers laden jetzt wieder zu kulturellen Landpartien und Musikerlebnissen - unter freiem Himmel.

Frederik Hanssen

Potsdam„Wag es getrost und du wirst es nicht bereuen“, unter diesem Motto aus Theodor Fontanes „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ machen sich allsommerlich Abertausende von Berlinern auf ins Umland. Zur Krönung des Ausflugs wird dabei oft der Besuch eines Kulturfestivals. Das Angebot im Land ist mittlerweile wahrhaft üppig.

Den Anfang der Sommersaison markieren die Musikfestspiele Potsdam-Sanssouci. Von Freitag bis zum 22. Juni dreht sich diesmal alles um die Kulturstadt Venedig. Direkt vor den Toren Berlins versammeln sich dafür die besten Interpreten der internationalen Barockmusikszene. Da die Konzerte in höchst attraktiven historischen Räumen stattfinden, sind viele Veranstaltungen seit langem ausverkauft. Tickets gibt es aber noch für die Open-Air-Events „Venezia e Napoli“ heute und morgen jeweils ab 22 Uhr, für die „Venezianische Nacht“ am 14. Juni sowie das Abschlusskonzert am 22. Juni vor dem Neuen Palais mit Opernarien und italienischer Filmmusik. (www.musikfestspiele-potsdam.de)

Am 7. Juni startet nördlich von Berlin der traditionsreiche Choriner Musiksommer mit einem Auftritt des Staatsorchesters Frankfurt (Oder) unter der Leitung seines neuen Chefdirigenten Howard Griffiths. Seit 1964 locken die Konzerte in der Ruine des gotischen Klosters jedes Jahr rund 25 000 Besucher an. Bis zum 30. August finden an jedem Wochenende Konzerte statt. Eine Choriner Besonderheit ist dabei, dass die Besucher wählen können, ob sie im Kirchenschiff mit Blick auf die Bühne sitzen – oder sich einen Rasenplatz im Innenhof nehmen, wo sie zwar die Musiker nur hören können, aber direkten Zugriff auf den mitgebrachten Picknickkorb haben. (www.musiksommer-chorin.de)

Kontakte zwischen Berlinern und den Bewohnern des Umlands zu ermöglichen, war von Beginn an das Anliegen der Brandenburgischen Sommerkonzerte. Die Klassik-Fans aus der Hauptstadt, die sich auf musikalische Landpartie begeben, werden vor Ort von Einheimischen bewirtet, die jeweils an einem lauschigen Platz die Kaffeetafel mit selbst gemachtem Kuchen aufbauen. Die Künstler, die man bis zum 6. September zwischen Rathenow und Schwedt erleben kann, sind hochkarätig. Mit dem Deutschen Symphonie-Orchester, das die Brandenburgischen Sommerkonzerte am 21. Juni in Prenzlau eröffnen wird, verbindet das Festival eine langjährige Partnerschaft. Gerade von älteren Besuchern werden übrigens die Rundrum- Sorglos-Pakete geschätzt, die das Festival anbietet: Wer mag, steigt in Berlin am Fehrbelliner Platz in den Reisebus, wird direkt zum Konzertort gefahren, dort mit Informationen über Stadt, Land und Programm versorgt und abends wieder in Wilmersdorf abgesetzt. (www.brandenburgische-sommerkonzerte.de)

Eine feste Größe in der Sommerplanung ist auch die Kammeroper Schloss Rheinsberg. Geleitet wird das Festival von Komponist Siegfried Matthus, der wie Friedrich II. schöne Jugendjahre in dem Städtchen verlebt hat. Zum Start gibt es traditionell eine Oper in Konzertform, diesmal Donizettis „Capuleti e Montecchi“, dann folgen die „Operngalas“, bei denen sich die jungen Teilnehmer mit Arien präsentieren. Die szenischen Produktionen sind 2008 Boieldieus „Weißer Dame“ sowie W. A. Mozarts „Entführung aus dem Serail“ gewidmet. (www.kammeroper-schloss-rheinsberg.de)

Was sonst noch alles rund um Berlin im Sommer los ist, steht auf der Website www.kulturfeste.de. Dort präsentieren 65 Veranstalter ihre Programme, von Altfriedland bis Zinna, quer durch alle Genres, vom Theatersommer Netzeband über Jazz in Eberswalde bis zum Gitarrenfestival in Templin. Ab Samstag sind zudem die Flyer „Kultur für Kinder“, „Sommertheater“ und „Kultur in Klöstern“ bei der Potsdamer Geschäftsstelle erhältlich (Telefon-Nummer: 0331/979 3301)

„Eigentümliche Freuden und Genüsse werden dich begleiten“, schrieb Theodor Fontane über seine Mark Brandenburg. „Das Beste aber, dem du begegnen wirst, das werden die Menschen sein.“

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