Musik : Mando Diao stürmen Charts - Tarantino hatte Hände im Spiel

In die deutschen Musikcharts kommt nach dem Jahreswechsel Bewegung: In den Top 100 der Single-Charts gibt es sechs Neueinsteiger. Die schwedische Rockband Mando Diao landet mit ihrem Hit "Dance with Somebody" auf Platz drei. Nicht unschuldig am Erfolg - Filmemacher Tarantino.

Nadine Emmerich[ddp]
Mando Diao
Tarantino-Fans: die Jungs von Mando Diao. -Foto: ddp

BerlinDer Regisseur Quentin Tarantino ("Pulp Fiction", "Kill Bill") hat bei der neuen Platte von Mando Diao indirekt seine Hände mit im Spiel gehabt. "Das Album sollte so klingen wie der Soundtrack zu einem Tarantino-Film", sagt der Sänger der schwedischen Rockband, Björn Dixgard. Darum bauten die Musiker zum Beispiel Dialoge zwischen den Songs ein. Laut Dixgard wurden alle neuen Songs von Film und Fernsehen beeinflusst -von der TV-Serie "Twin Peaks" bis zu Stephen-King-Verfilmungen.

Mit "Give Me Fire", das am 13. Februar erscheint, behält die Band ihr auffallend rasantes Arbeitstempo bei: Das Debüt "Bring 'Em In" erschien 2004, ein Jahr später folgte "Hurricane Bar", 2006 dann "Ode to Ochrasy" und 2007 "Never Seen The Light of Day". Die Schweden schafften es damit binnen kürzester Zeit vom Geheimtipp auf die Pflicht-Playlist nahezu jeden Discjockeys.

Deutlich experimenteller als die Vorgänger-Alben

Ihr neues Werk klingt mit zum Teil pumpenden Beats, sphärischen Gitarren und entlehnten Sounds aus den 70ern und 80ern deutlich experimenteller als die Vorgänger, auch wenn sich ein leichter Wandel bereits mit "Never Seen The Light of Day" angekündigt hatte. Auf der neuen Platte klingt zudem kaum ein Lied wie ein anderes. "Wir wollten dieses Mal ein tanzbares Album machen, 'Bring 'Em in' war vielleicht etwas zu schnell dafür", sagt Schlagzeuger Samuel Giers. Die Brüder Salla and Chepe von der HipHop-Band The Latin Kings, die "Give Me Fire" produzierten, hätten ihren Blick mehr auf die Tanzfläche gelenkt.

Anfangs waren Mando Diao skeptisch, zusammen mit den Rap-Brüdern eine Platte aufzunehmen. Der zweite Sänger der Band, Gustav Noren, war jedoch Fan der Latin Kings und drängte auf ein Kennenlernen der Musiker. "Sie nehmen Musik komplett anders wahr. Sie hören sich nie die ganzen Tracks an, sondern nur Teile, und dann arbeiten sie damit stundenlang. Du wunderst Dich, was sie da tun und wenn du das Ergebnis hörst, bist du baff", sagt Dixgard.

Keine Angst, Fans zu verlieren

Den Mut für Neues haben sich Mando Diao in den vergangenen Jahren angeeignet. "Wir sind selbstbewusster als am Anfang, wir haben eine große Fangemeinde und können unsere musikalische Bandbreite ausdehnen, ohne Angst zu haben, Fans zu verlieren", sagt Giers. Künftig will es die Band mit Blick auf Tourneen auch etwas ruhiger angehen lassen. "Es macht müde, immer so lange weit weg von zu Hause zu sein", sagt der Drummer. Natürlich würden Mando Diao weiter touren, "aber vielleicht nicht mehr so exzessiv".

Möglicherweise hat auch das Privatleben der beiden Sänger Dixgard und Norén damit zu tun: Beide haben inzwischen geheiratet, Noren wurde zudem Vater. Dixgard betont jedoch, all dies sei unabhängig von der Band Mando Diao: "Vielleicht hat uns das in ein paar Songs beeinflusst, aber das müssten Psychologen analysieren."

"Es ist hart in gammeligen Clubs aufzutreten"

"Give Me Fire" wurde im bandeigenen Studio in Stockholm und in Los Angeles aufgenommen. Dort wohnt ein Freund der Band, so dass die Musiker eine Art Arbeitsurlaub in Kalifornien verbrachten. "Wir wollten das Album an einem anderen Ort fertig stellen, um noch mal einen anderen Blick darauf zu bekommen", sagt Giers, der auch gern in den USA live spielt. "Wenn wir dort mit unserem Tourbus durchs Land fahren, fühlt sich das an wie in einem Film." Leider seien Mando Diao in Amerika aber noch nicht so erfolgreich wie in Europa, "also ist es auch hart, weil wir manchmal in gammeligen Clubs auftreten".

Wie gewohnt singen Dixgard und Noren auf der neuen Platte wieder abwechselnd. "Ich muss die schweren Noten singen", sagt Dixgard. Viele Songs, die Norén schreibt, sind für ihn selbst zu hoch zu singen, so dass Dixgard ans Mikrofon muss. Ansonsten gilt: Zu wem der Song irgendwie am besten zu passen scheint, der singt ihn auch.

Trotz der guten Zusammenarbeit mit den Latin Kings für "Give Me Fire" wird es übrigens weiter ausschließlich Rock von Mando Diao geben. "Wir glauben nicht, dass die Welt schon bereit wäre für ein Mando-Diao-HipHop-Album", sagt Giers.

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