Musik : "Wie Ötzis konservierter Leichnam"

Die Veränderungen im Musikbetrieb gehen dem Dirigenten und Komponisten Pierre Boulez nicht schnell genug: "In ein Sinfoniekonzert zu gehen, ist so ähnlich wie ins Museum zu gehen."

Pierre Boulez
Der 82-jährige Pierre Boulez fordert, dass die moderne Musik sich schneller ändert. -Foto: ddp

Frankfurt am MainZwar werde zeitgenössische Musik nicht mehr vor leeren Sälen gespielt, aber ein Konzertbesuch sei doch immer noch ein bisschen wie Mumien ansehen. "In ein Sinfoniekonzert zu gehen, ist so ähnlich wie ins Museum zu gehen um sich Ötzis konservierten Leichnam anzuschauen", sagte Boulez der "Frankfurter Rundschau". Der Konzertbetrieb verändere sich zu langsam. Dass die Musiker Frack tragen, hält Boulez für überholt und fragt: "Warum nicht auch noch eine Perücke!"

Im Gegensatz zu moderner Kunst sei moderne Musik immer in Nachteil: "Niemand kann in ein Konzert gehen und darauf hoffen, dass das, was er von dort mitnimmt, 20 Jahre später viel mehr wert ist." Ein weiterer Nachteil: "Wenn einem ein Bild nicht gefällt, geht man weiter zum nächsten. Das geht bei einem Konzert nicht." Der Komponist, Dirigent sowie Mitbegründer und jahrelange Leiter des Pariser Musik- und Akustik-Forschungsinstituts Ircam ist gerade mit einem Programm aus Musik des 20. und 21. Jahrhunderts auf einer kleinen Europa-Tournee mit Stationen in Baden-Baden, Amsterdam, Paris und Frankfurt. (mit dpa)