Muslimische Verbände : Islamrat greift Verfassungsschutz scharf an

Nach Ansicht des Islamrats ist die Beobachtung der muslimischen Organisation Milli Görüs durch den Verfassungsschutz völlig ungerechtfertigt. Die Behörde versuche durch das Aufbauen von "Feindbildern" nur ihre Existenz zu sichern, so der Ratsvorsitzende Kizilkaya.

Muslime
Der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland mit Ali Kizilkaya (links). -Foto: dpa

KölnDer deutsche Islamrat hat die Überwachung der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) durch den Verfassungsschutz kritisiert. "Der Verfassungsschutz hat die Wahrheit nicht gepachtet. Auch er irrt sich", sagte der Ratsvorsitzende Ali Kizilkaya bei einer Veranstaltung des Koordinierungsrats der Muslime in Köln. Die Behörde versuche, ihre Existenz auch dadurch zu rechtfertigen, dass sie ein "Feindbild" aufbaue. Auf diese Weise sollten Arbeitsplätze gesichert werden.

Die vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestufte Milli Görüs ist das größte Mitglied im Islamrat, der wiederum Bestandteil des Koordinierungsrats ist. Kizilkaya sagte, er sei selbst Mitglied von Milli Görüs und habe noch "nie gegen die Verfassung gehandelt". "Man darf nicht eine Organisation unter Generalverdacht stellen." Der Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib), Sadi Arslan, sagte, es verletze die Muslime, wenn ihr Glaube ständig mit Terrorismus und Gewalt in Verbindung gebracht werde. "Der Islam dient der Glückseligkeit."

"Wir haben die Einheit der muslimischen Verbände erreicht"

Der Islamrat vertritt nach eigenen Angaben mehr als 30 islamische Organisationen mit 145.000 Mitgliedern. Milli Görüs wird vom Verfassungsschutz beobachtet, weil sie angeblich eine islamistische Gesellschaftsordnung anstrebt. Im Unterschied zu anderen islamistischen Gruppierungen lehnt sie aber Gewalt strikt ab. Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes hat Milli Görüs in Deutschland rund 26.500 Mitglieder, fast ausschließlich Muslime türkischer Herkunft.

Der Koordinierungsrat (KRM) zog eine positive Bilanz des ersten Halbjahrs seit seiner Gründung. Der Rat sei eine "Erfolgsgeschichte", sagte sein bisheriger Sprecher Ayyub Axel Köhler. "Der KRM ist in der Öffentlichkeit als einheitlicher Ansprechpartner wahrgenommen worden. Die Bündelung der Kräfte der Muslime dürfte sich als ein gewaltiger Fortschritt erweisen." Kizilkaya sagte: "Wir haben die Einheit der muslimischen Verbände erreicht."

Kritiker halten dagegen, der Rat vertrete nur eine Minderheit der deutschen Muslime, da die meisten gar nicht organisiert seien. Für das nächste halbe Jahr wird der Koordinierungsrat vom Dialogbeauftragten der Ditib, Bekir Alboga, vertreten. (mit dpa)