Nach dem Atomstreit : Nordkorea bald kein Schurkenstaat mehr?

Die USA wollen Nordkorea möglicherweise von der Liste der sogenannten Schurkenstaaten, die den Terrorismus unterstützen, streichen. Das verbreitet zumindest das Außenministerium in Pjöngjang.

SeoulDie Entscheidung resultiere aus einem Treffen der Chef-Atomunterhändler beider Länder am Wochenende in Genf, sagte ein Regierungsvertreter der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA. Die beiden Seiten hätten praktische Maßnahmen vereinbart, um die Atomanlagen in Nordkorea im Laufe dieses Jahres außer Betrieb zu nehmen. Im Gegenzug habe Washington beschlossen, das kommunistische Land von seiner Liste der den Terrorismus unterstützenden Staaten zu nehmen und Wirtschaftssanktionen aufzuheben, sagte der Sprecher.

Die USA gaben noch keine weiterreichenden Details der Einigung bekannt. "Eine Sache, über die wir uns einig geworden sind, ist, dass Nordkorea sein gesamtes Atomprogramm offenlegen und das Atomprogramm bis zum Ende dieses Jahres, also 2007, abschalten wird", sagte US-Chefunterhändler Christopher Hill. Im Gegenzug erhielt Pjöngjang Hilfszusagen. Unter anderem sollen eingefrorene Gelder freigegeben werden und sich die Beziehungen zu den USA normalisieren.

Weitere Einzelheiten sollen Hill zufolge bei den nächsten Sechser-Verhandlungen zwischen Nord- und Südkorea, den USA, China, Japan und Russland besprochen werden. Nach einer am 13. Februar erzielten Einigung in dieser Gruppe hatte Pjöngjang bereits den Betrieb seiner wichtigen Atomanlage Yongbyon eingestellt. Die USA verdächtigten den kommunistischen Staat aber weiter, ein geheimes Uran-Anreicherungsprogramm zum Bau von Atombomben zu betreiben. Befragt, ob der jetzt geschlossene Deal auch Uran beinhalte, sagte Hill: "Alles heißt alles."

Das nächste Treffen der Sechser-Runde findet noch diesen Monat in Peking statt. Dabei soll es laut Hill auch darum gehen, zwischen den Teilnehmern ein vertrauensvolleres Verhältnis aufzubauen. Dabei komme den in der kommenden Woche in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator geplanten Gesprächen zwischen Japan und Nordkorea besondere Bedeutung zu. Die Beziehungen zwischen diesen beiden Ländern sind wegen der Entführung japanischer Staatsbürger durch Nordkorea äußerst gespannt. Pjöngjang hatte zugegeben, in den 70er und 80er Jahren insgesamt 13 Japaner entführt zu haben, um mit ihrer Hilfe die eigenen Spione besser in Japanisch und japanischen Gebräuchen ausbilden zu können. (mit AFP)