Nach dem Zugunglück von Hordorf : Privatbahnen fordern mehr Sicherheit auf Schienen

Auf vielen eingleisigen Abschnitten fehlen automatische Bremssysteme. Die Bahn solle wie versprochen nachrüsten, fordern die Privatbahnen – darauf setzt auch der Bund.

von

Potsdam - Das Netzwerk Privatbahnen, zu dem sich rund 20 private und kommunale Güterbahnen in Deutschland zusammengeschlossen haben, formuliert es drastisch: „Im Osten stirbt es sich schneller“. In den östlichen Ländern, vor allem auch in Brandenburg, fehlen, wie berichtet, an zahlreichen Bahnstrecken Sicherungssysteme, die einen Zug stoppen, wenn der Lokführer an einem Rot zeigenden Signal vorbeifährt. Das Netzwerk forderte das Bundesverkehrsministerium auf, der Bahn vorzuschreiben, wenigstens die Hauptstrecken entsprechend zu sichern.

Auch bei dem Unglück von Hordorf in Sachsen-Anhalt am vergangenen Wochenende fehlte ein solches System. Bei einem Zusammenstoß eines Triebwagens mit einem Güterzug auf einem eingleisigen Abschnitt zwischen Magdeburg und Halberstadt starben zehn Menschen. An dieser Strecke war die Bahn immerhin dabei, die Sicherungsanlagen einzubauen, die es seit den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bei der Bahn gibt.

Gesetzlich vorgeschrieben sind sie in der Eisenbahn-Bau-und Betriebsordnung (EBO) nur für Abschnitte, auf denen die Züge mehr als 100 km/h erreichen. Warum dieses Limit gewählt worden war, ließ sich am Mittwoch nicht klären – weder beim aufsichtsführenden Eisenbahn-Bundesamt noch im Verkehrsministerium.

Die Sprecherin des Ministeriums, Vera Moosmayer, verwies aber auf Aussagen von Bahnchef Rüdiger Grube, wonach der Konzern alle eingleisigen Strecken analysieren wolle und wo nötig den Einbau eines automatischen Bremssystems aus eigenen Mitteln finanzieren werde. Das Geld dafür käme allerdings vom Bund und ist für die Unterhaltung der Strecken bestimmt. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) unterstütze die Absicht Grubes, sagte Moosmayer.

Möglicherweise wird die Bahn aber auch gesetzlich zum Nachrüsten gezwungen. Bei der anstehenden Novellierung der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung sei vorgesehen, die sogenannte Punktförmige Zugbeeinflussung (PZB), die einen Zug nach dem Vorbeifahren an einem Halt zeigenden Signal zwangsbremst, bereits ab Tempo 80 vorzuschreiben, sagte Moosmayer. Damit wären fast alle Strecken mit Personenverkehr erfasst.

An welchen Strecken die PZB in Brandenburg fehlt, wollte ein Bahnsprecher nicht sagen. Allerdings veröffentlicht die Bahn im Internet eine solche Übersicht.

Vornehmlich an den Nebenstrecken nördlich und östlich von Berlin gibt es keine PZB-Anlagen. Dort fahren mit der Prignitzer Eisenbahn und der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (Odeg) Konkurrenten der Bahn im Nahverkehr. Sie haben den Betrieb in Ausschreibungen gewonnen. Auf einigen dieser Strecken sind jedoch auch Güterzüge unterwegs.

Die Bahn betont, sie habe in den vergangenen Jahren auch auf Strecken, für die es nicht vorgeschrieben war, PZB-Anlagen eingebaut – etwa zwischen Rathenow und Brandenburg sowie beim „Prignitz-Express“ zwischen Berlin und Wittenberge. Dort können die Züge aber bis 120 km/h beschleunigen, so dass der PZB erforderlich war. Im Abschnitt Pritzwalk–Wittenberge müssen sie aber wieder bremsen; dort reichte das Geld nicht für die PZB-Sicherung.

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben