NACH DEN KOMMUNALWAHLENPersonelle Konsequenzen : Die märkische Union setzt auf Johanna Wanka

Die Wissenschaftsministerin könnte die neue Chefin der CDU werden und die Partei als Spitzenkandidatin zur Landtagswahl 2009 führen

Thorsten Metzner

Potsdam - Die bohrenden Fragen von Journalisten lächelt sie einfach weg. „Wir wollen gemeinsam nach Lösungen für die nächsten Wahlen suchen“, sagt Johanna Wanka salomonisch, wenn es darum geht, ob sie den christdemokratischen Noch-Parteichef Ulrich Junghanns beerben will. Kein Wort mehr, noch nicht. Zu vermint ist das Terrain in dieser Brandenburger CDU, die nicht erst seit der verlorenen Kommunalwahl als Haifischbecken gilt, die seit 1990 schon acht Vorsitzende und noch mehr Beinahe-Vorsitzende verschlissen hat. Zu heikel ist die Operation, die gerade vorbereitet wird. Zu groß die Gefahr, auch noch „verbrannt“ zu werden.

Aber natürlich will Wanka, Jahrgang 1951, Wissenschaftsministerin im Platzeck-Kabinett, CDU-Spitzenkandidatin zur Landtagswahl 2009 und Parteichefin werden. Sie hat in den letzten Wochen, ganz diskret, lagerübergreifende Gespräche geführt, um den geordneten Übergang vorzubereiten, mit Wissen von Junghanns. Die promovierte Mathematikerin gilt als eine, die Risiken genau abwägt und manchmal scheut, was ihr bisweilen als „Übervorsicht“ ausgelegt wird. Aber sie ist eben keine „Königsmörderin“. Sie sei „niemand, der für lautes Getöse steht, der polarisiert“, hat Wanka einmal über sich gesagt. Gefragt wurde sie schon einmal, von Jörg Schönbohm, als der seine Nachfolge regelte. Wanka lehnte damals ab. Sie ahnte wohl, dass der erste Parteichef nach Schönbohm, der es bislang als einziger geschafft hatte, die zerstrittene Union für acht Jahre zusammenzuhalten, kaum eine Chance haben wird. Das mag nicht gerade preußisch sein, zeugt aber zumindest von Machtinstinkt.

Dass ihre Ambitionen in Brandenburg liegen, dass man mit ihr rechnen muss, konnte man spätestens seit Anfang des Jahres wissen: Wanka gab dem Hamburger Regierungschef Ole von Beust einen Korb, der die Potsdamer Wissenschaftsministerin, die hier einen anerkannt erfolgreichen Job macht, sich als KMK-Vorsitzende bundesweite Meriten erwarb, als Senatorin an die Alster holen wollte. Sie wäre die erste Ostdeutsche in einem westdeutschen Kabinett gewesen.

Für Brandenburg entdeckt hatte sie einst der frühere SPD-Ministerpräsident Manfred Stolpe, der sie 2000 Schönbohm als Ministerin empfahl: Wanka, der CDU nahe stehend, aber noch parteilos, war damals Rektorin der Fachhochschule im sachsen-anhaltinischen Merseburg. Dort hatte sie im 89er Wendeherbst das Neue Forum mitgegründet. Diese Vita macht ihr die Auseinandersetzung mit dem SED-Unrechtsregime, an diesem Punkt ist sie konsequent, leichter als Junghanns. Für nicht wenige in der Union wäre es ein Horrorszenario, sich im Landtagswahlkampf – zum symbolträchtigen 20-Jahre-Jubiläum des Mauerfalls – die Vorwende-Vita des jetzigen Parteichefs als Funktionär der DDR-Bauernpartei vorhalten zu lassen.

Aber kann Wanka diese Union aus der Krise führen? Da gibt es Zweifel in den eigenen Reihen, auch Stimmen, die ihr Profilschwäche vorhalten. Mittlerweile ist das alles fast egal. Wanka, die umtriebiger, kommunikativer ist als Junghanns, die besser auf Menschen zugehen kann, die zwischen den verfehdeten CDU-Lagern vermitteln will, ist für die Landtagswahl vielleicht die letzte Hoffnung der märkischen Union. Zumindest, wenn diese auch nach 2009 in der Regierung bleiben soll. Und daran hat auch die Mittvierziger-Generation aus dem bröselnden Lager um Vize-Parteichef Sven Petke durchaus ein Interesse. Das kann zusammenbinden, vielleicht.

Allerdings gibt es, was den geplanten Führungswechsel angeht, eine Schwachstelle. Man kann in der Berliner CDU sehen, wie schnell sich Eigendynamik in Parteien entwickeln kann. Viel Zeit bleibt Johanna Wanka nicht, um aus der Deckung zu kommen.

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