Der Tagesspiegel : Nach den Preußen kommt die Romantik

Helmut Caspar

Während Berlin 2002 im Zeichen der klassischen Antike steht und ab März im Martin-Gropius-Bau mit einer großen Ausstellung Leben und Kultur der alten Griechen dokumentiert, widmet sich das Land Brandenburg ganz der Romantik. Sie bestimmte zwischen 1750 und 1850 wesentlich die Literatur, Malerei und Musik, die Architektur und Landschaftspflege. 100 Jahre - geprägt von französischer Revolution, napoleonischer Ära, den Befreiungskriegen und preußischen Reformen, der Zeit der Restauration und Reaktion sowie der 48er Revolution. Aber auch politische Entwicklungen und Gesellschaftsentwürfe sowie das Leben in der Familie und die Rolle der Frauen wurden von dieser Geistes- und Kunstströmung beeinflusst, sagt Petra Kabus, Projektleiterin der Aktion "Kulturland Brandenburg 2002".

"Man befasste sich mit bisher unbeachteten Aspekten der Geschichte, vor allem mit dem Mittelalter, erforschte die Entwicklung der Sprache und sammelte Mythen und Volkslieder, gestaltete die Landschaftsgärten und baute im Stil der Gotik", so Kabus. An authentischen Orten sollen bis heute nachwirkende Entwicklungen und Erscheinungen in Brandenburg, dem Kernland des preußischen Staates, nachgezeichnet werden. Dabei würden auch die Wirkungen der Industrialisierung und die Folgen der Entstehung des Proletariats dargestellt.

Konzeptionell vorbereitet wurde die Kulturland-Kampagne, für die ein Gesamtbudget von 2,4 Millionen DM zur Verfügung steht, durch die Universität Potsdam. Wie Knut Kiesant vom Insititut für Germanistik erläutert, sei das Preußen-Gedenken finanziell weitaus besser fundiert gewesen als das Romantik-Jahr. Er hoffe, dass die gegenwärtig noch offene Frage der Trägerschaft in Kürze geklärt werde, denn die Ausstellungen und sonstigen Veranstaltungen benötigten einen längeren Vorlauf und ein klares finanzielles Fundament.

Bisher fest eingeplant seien Veranstaltungen in über 30 Museen, Schlössern und anderen Orten. So werde in Branitz an den bedeutenden Gartengestalter Hermann Fürst zu Pückler erinnert. In Paretz gebe es ein Wiedersehen mit den Hohenzollern, die sich sehr für "romantisches" Landleben erwärmten und mit Friedrich Wilhelm IV. sogar einen "Romantiker auf dem Thron" hervor brachten, und in Chorin wird auch daran gedacht, dass sich Karl Friedrich Schinkel intensiv um die Ruine kümmerte und damit seine Karriere als Vater der Denkmalpflege in Preußen begann. Das Fontane-Archiv Potsdam plant eine Tagung über Fontanes "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" und die Romantisierung der Landschaft. Es gibt ferner Konferenzen zur Romantik-Rezeption nach den Befreiungskriegen von 1813 bis 1815, und außerdem wird in einem weiteren Symposium in der Villa Vigoni (Italien) der auch von den Hohenzollern intensiv geförderten deutsch-italienischen Kulturbeziehungen gedacht.

Kiesant zufolge sind zahlreiche touristische Angebote auf das Thema Romantik abgestimmt, mit Veranstaltungen im Spreewald, der Prignitz und in der Uckermark. Wie im Preußenjahr 2001 werde auf breite geografische Streuung der Veranstaltungen geachtet. Sobald das Programm "stehe", werde es auch im Internet veröffentlicht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben