Nach der Erkrankungswelle : Wie Brandenburgs Schulen jetzt mit Sodexo umgehen

Der in Verruf geratene Caterer Sodexo liefert weiterhin an betroffene Einrichtungen, doch deutlich weniger Kinder essen nach der Erkrankungswelle noch an den Schulen. Ein neuer Anbieter kann frühestens zum neuen Schuljahr engagiert werden.

Nach den massenhaften Magen-Darm-Erkrankungen von Schulkindern vor knapp drei Wochen sind die Reaktionen der Eltern in Brandenburg ganz unterschiedlich. Nach wie vor liefert der in Verruf geratene Caterer Sodexo an die betroffenen Einrichtungen in Potsdam-Mittelmark – aber nicht alle nehmen das Essen noch ab. Mittelmarks Kreis-Elternsprecher Eberhard Adenstedt empfiehlt allen Schulen, künftig auf Caterer zu setzen, die vorrangig Produkte aus regionalem Anbau verarbeiten und auf Lebensmittel aus fernen Ländern ganz verzichten. Für die Betriebe sollte zudem ein Zertifikat eingeführt werden, das die Qualität überwacht. Er beobachtet an vielen Schulen aber seit Jahren eine große Trägheit bei dem Thema.

In einigen Kommunen setzt jetzt aber ein Umdenken ein: In Stahnsdorf etwa verzichtet seit dem Ende der Herbstferien rund die Hälfte der Grundschüler auf das Sodexo-Essen. „Konkret haben an der Heinrich-Zille-Schule 180 Kinder das Angebot gestern nicht mehr in Anspruch genommen, 200 Kinder beziehen ihre Mahlzeit aber nach wie vor von dem Groß-Caterer“, sagte Bürgermeister Bernd Albers (BfB) dem Tagesspiegel. An der Lindenhof-Grundschule aßen am Montag nur noch 135 Kinder das Schulessen, vor den Ferien waren es noch 230.

In der Kommune läuft seit Montag auch eine Umfrage zur Zufriedenheit mit Sodexo. Allerdings könne ein neuer Anbieter kaum vor Beginn des neuen Schuljahres im Herbst 2013 eingesetzt werden. Den Eltern stehe es natürlich frei, bis dahin auf das Schulessen zu verzichten.

"Sodexo selbst hat einwandfrei gearbeitet“, sagte Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert (SPD) am Dienstag auf Anfrage. Ein Sonderkündigungsrecht bestehe somit nicht. Mit mindestens einem halben Jahr Vorlauf, um gegebenenfalls einen neuen Anbieter zu finden, rechnet man auch hier. Möglicherweise werde zum nächsten Schuljahr eine neue Ausschreibung erfolgen, darüber werden die kommenden Schulkonferenzen diskutieren. „Dann wird mit Sicherheit darauf gedrungen werden, künftig auf Importe wie Erdbeeren aus China zu verzichten und stattdessen auf regionale und saisonale Produkte zurückzugreife“, so Grubert weiter. Einen solchen Anbieter zu finden dürfte aber nicht ganz einfach sein. In Kleinmachnow scheinen die Eltern auch deutlich zurückhaltender: Nur 8 Prozent der Steinweg-Grundschüler hätten am Montag auf das Schulessen verzichtet, an der Maxim-Gorki-Gesamtschule gibt es sogar einen Sodexo-Abnehmer mehr als vor den Ferien.

In Schwielowsee hatte sich die Kommune zunächst für einen kompletten Auslieferungs-Stopp entschieden, die beiden von Sodexo belieferten Einrichtungen, wurden von zwei Kitas mitversorgt, die selbst kochen. Jetzt, nach Abklingen der Krankheitswelle, gibt es nach Aussage von Bürgermeisterin Kerstin Hoppe  keine Diskussion über einen Anbieter-Wechsel. 

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