Nach Doping-Welle : Team Milram macht sich Sorgen

Nach dem Aus für das Team Gerolsteiner ist das Team Milram der einzige deutsche Radrennstall der ProTour. Doch die jüngste Dopingwelle könnte schon bald dafür sorgen, dass es gar keinen mehr gibt.

Team Milram
Auch beim Team Milram geht nach den jüngsten Dopingfällen die Angst um. -dpa

BerlinNach den jüngsten Doping-Enthüllungen um die Gerolsteiner-Radprofis Stefan Schumacher und Bernhard Kohl geht auch beim Team Milram die Angst um. "Es wäre vermessen zu sagen, wir machen uns keine Sorgen", sagte Martin Mischel vom Hauptsponsor Nordmilch AG der Tageszeitung "Die Welt". Der ab der kommenden Saison einzige deutsche ProTour-Rennstall hat für 2009 bereits sechs Gerolsteiner-Fahrer verpflichtet, sei nach eigenen Angaben jedoch nie an den positiv auf Epo getesteten Schumacher und Kohl interessiert gewesen.

Ausstiegsstrategie für alle Fälle

Mit Blick auf mögliche künftige Dopingfälle betonte Mischel, dass sich Milram auch einen frühzeitigen Ausstieg aus dem Radsport offenhalte. "Natürlich gibt es Exit-Strategien für alle Fälle, alles andere wäre fahrlässig." Konkrete Bedingungen nannte er nicht. In den neuen Fahrer-Verträgen von Milram gäbe es zudem eine Klausel, "dass wir bereits bei Verdachtsmomenten parallel zu den offiziellen Tests weitere unabhängige Kontrollen vornehmen werden. Gegebenenfalls würde dann ein Fahrer umgehend suspendiert."

Die bis dato angewandte Zwei-Jahres-Sperre für verurteilte Dopingsünder hält der Präsident des Radsport-Weltverbandes UCI, Pat McQuaid, mittlerweile für zu gering. Der Ire forderte am Mittwoch, "vorsätzliche Betrüger" ab 2009 für vier Jahre aus dem Verkehr zu ziehen. Bislang gelten die Regeln eines weltweiten Anti-Doping-Codes, der nach einer positiven Dopingprobe eine maximale Sperre von zwei Jahren vorsieht. "Ab dem 1. Januar sind wir da aber etwas flexibler", betonte der Verbands-Chef.

Schumacher und Kohl sind "vorsetzliche Betrüger"

In den Augen McQuaids würden Schumacher und Kohl unter die Kategorie "vorsätzliches Betrügen" fallen, "da beide gezielt zur Tour de France gedopt" hätten. Bestraft könnten die Fahrer zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht werden, räumte McQuaid ein. "Sollten beide aber für schuldig befunden werden, will ich persönlich - und wahrscheinlich auch jeder andere in der Radsport-Familie - sie nie wieder fahren sehen."

Der Österreicher Kohl hat zwei Tage nach Bekanntwerden seines positiven Epo-Befundes für diesen Donnerstag eine Stellungnahme zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen angekündigt. Auf der Homepage seines Sponsors Erybol wurde der diesjährige Sieger des Bergtrikots bei der Tour zitiert: "Ich bin mir meiner Verantwortung gegenüber den Fans, Medien und meinen Sponsoren bewusst."

Noch am Dienstagabend hatte der 26-Jährige auf der Homepage des Herstellers für Nahrungsergänzungsprodukte laut einer Meldung der Nachrichtenagentur APA erklärt: "Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Wissentlich habe ich nichts Verbotenes zu mir genommen." Der Eintrag ist mittlerweile gelöscht worden. (mbo/dpa)