Nachbarschaftskrieg : Zoff ohne Ende

Der SPD-Abgeordnete Meckel hat schon wieder Ärger mit den Nachbarn. Diesmal geht es um Körperverletzung. Seit er nach Mahlendorf gezogen ist - der Ort zählt gerade einmal neun Einwohner - hat er sich mit allen seinen Nachbarn zerstritten.

Claus-Dieter Steyer
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Markus MeckelFoto: pa/dpa

Mahlendorf - Als Silke Podschun von ihrem „Nachbarschaftskrieg“ berichtete, begann sie zu zittern. Was nicht nur am eisigen Nebel lag, der sich am Dienstag über das winzige Mahlendorf in der Uckermark gelegt und den holprigen Weg mit Reif überzogen hatte. „Ich habe Angst. Das ist Mobbing“, sagte die zierliche Krankenschwester vor ihrem Haus mit Blick auf den Großen Küstrinsee. „Der Mann macht uns das Leben zur Hölle.“ Jetzt sei sie von ihm sogar tätlich angegriffen und mit grobem Griff in das Haus der Nachbarin gezerrt worden.

Bei dem Beschuldigten handelt es sich um einen bekannten Politiker: Markus Meckel, SPD-Bundestagsabgeordneter und letzter DDR-Außenminister. Ihn hat es vor zehn Jahren in ein altes Bauernhaus in das nur neun Einwohner und vier Häuser zählende Mahlendorf verschlagen. Seitdem hat er sich mit allen drei Nachbarn zerstritten. Polizei, Anwälte, Gerichte und Medien aus ganz Deutschland kennen Mahlendorf.

Jetzt muss die Polizei im zuständigen Revier Prenzlau wieder zwei Anzeigen prüfen. „Wir ermitteln sowohl gegen Frau Podschun als auch gegen Herrn Meckel wegen Körperverletzung“, sagte Polizeisprecher Ingo Heese. „Gegen Herrn Meckel prüfen wir außerdem Vorwürfe wegen Freiheitsberaubung und Nötigung.“ Beide hätten sich gegenseitig angezeigt.

Der Vorfall ereignete sich vor zehn Tagen. „Ich trat vor unser Grundstück, das direkt gegenüber dem Haus von Herrn Meckel liegt“, schilderte Silke Podschun das Geschehen. „Plötzlich packte er mich am Arm und schleppte mich in das Haus der Nachbarin. Die rief die Polizei.“ Zwei Funkwagen kamen, und die Beamten hörten von Meckel eine andere Version: Mit einem Baseballschläger habe sie ihm aufgelauert. Die Polizisten durchsuchten das Haus, fanden jedoch nichts. „Ich hielt eine Gerte in der Hand, mit der ich die Pferde von der Weide in den Stall treiben wollte“, sagt die Frau. „Ich besitze gar keinen Baseballschläger.“

Markus Meckel, der sich zu den Anschuldigungen nicht äußern wollte, fühlte sich von der Nachbarin offenbar bedroht. Erst kurz zuvor hatte er einen Gerichtsbeschluss erwirkt, ihr Grundstück betreten zu dürfen, um ein verstopftes Abwasserrohr zu suchen. „Er ist nur auf Streit aus“, erklärte Ehemann Ralf Podschun die vergiftete Atmosphäre.

Bislang hatte sich Meckel in Mahlendorf vor allem mit der nach der Wende wieder in das kleine Jagdschloss gezogenen Familie von Arnim überworfen. Es gab Streit um einen Steg, um gestutzte Mirabellenbäume, eingerissene Zäune und angebliche Stinkbomben im Auto. Zuletzt musste das Landgericht Neuruppin vor gut einem Jahr über den angeblichen Diebstahl einer Zaunlatte durch Meckel befinden, für den es aber keine Beweise fand.

Meckels Stand in der SPD scheinen die Querelen nicht zu schaden: Er ist wieder als Direktkandidat für den Wahlkreis nominiert worden.

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