Nachgefragt : "Unsere Kompetenz? Fußball, Wurst und Bier"

Herr Bastian, der SV Babelsberg steckt tief in der Krise – Sie führen den Verein nun. Warum tun Sie sich das an?

Man hätte mir auch Rasenpfleger anbieten können – auch das hätte ich in dieser Situation gemacht. Man sieht an den ungeheuer erfolgreichen Initiativen zur Rettung, welch ein Potenzial in diesem Verein bisher brachlag.

Sie saßen auch im Aufsichtsrat des Vereins. Hätten Sie die negative Entwicklung nicht schon eher stoppen können?

Nein. Wenn es derart brannte, musste der Aufsichtsrat Wochen vorher eingeschaltet werden. Da diese Sitzung aber nicht einberufen wurde, bin ich von Erfüllung aller Auflagen ausgegangen.

Es gab viel Kritik, wie der SV Babelsberg bisher gemanagt wurde. Was soll nun in der Vereinsführung anders werden?

Da wir unsere Arbeit wesentlich häufiger von den Vereinsmitgliedern überprüfen lassen werden, wird der Mitgliedschaft ein besonderes Augenmerk zukommen – es lohnt sich wieder, in den Verein einzutreten, um die geforderten demokratischen und transparenten Strukturen mit durchzusetzen. Die Transparenzforderungen, die die Stadt Potsdam an die geplante finanzielle Hilfe knüpft, werden wir etwa durch Satzungsänderungen herstellen – so sollen wichtige Versammlungstermine deutlich vor den Lizenzierungsverfahren stattfinden, um bei Problemen mit dem „Gesamtverein“ eingreifen zu können. Es muss auch der Versuch gemacht werden, Förderer zu längerfristigem Engagement zu bewegen, damit die Geschäftsführung professioneller, nachhaltiger und mit Planungssicherheit arbeiten kann. Bevor dies nicht gegeben ist, wird es immer wieder zu Situationen wie jetzt kommen. Ansonsten werben wir für unsere Kernkompetenzen: Fußball, Wurst und Bier.

Die Fragen stellte Henri Kramer.

Thomas Bastian, 51 Jahre alt und geboren in Bielefeld, ist Chef des Potsdamer „Thalia“-Kinos – und seit acht Jahren bekennender Fan des Fußballklubs SV Babelsberg 03.

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