Nahost : BBC-Reporter Johnston ist frei

Nach fast vier Monaten Geiselhaft ist der von militanten Palästinensern im Gazastreifen entführte BBC-Reporter Alan Johnston freigekommen. Die Entführer übergaben die Geisel in der Nacht der Hamas.

"Eine entsetzliche Erfahrung":
Alan Johnston mit dem ehemaligen Regierungschef Ismail Hanija. -Foto: AFP

Gaza/LondonNach seiner Befreiung nach fast vier Monaten Geiselhaft im Gazastreifen ist der BBC-Reporter Alan Johnston sicher im britischen Konsulat in Jerusalem eingetroffen. Der Auslandspresseverband teilte mit, Johnston wolle zunächst keine weiteren Interviews geben. Seine Entführer hatten den 45-Jährigen am frühen Morgen der radikal-islamischen Hamas übergeben, die den Gazastreifen kontrolliert. Sie bekamen dafür nach palästinensischen Angaben Straffreiheit zugesichert. Die britische Regierung und der Sender BBC begrüßten ebenso die Freilassung Johnstons wie Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

Johnston war am 12. März von der bis dahin weitgehend unbekannten Gruppe Armee des Islam verschleppt worden. Die Entführer, denen Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Qaida nachgesagt werden, hatten zuletzt die Freilassung mehrerer ihrer Kämpfer verlangt und mit der Ermordung des Journalisten gedroht. In einer Videobotschaft war Johnston mit einem um den Leib geschnallten Sprengstoffgürtel zu sehen gewesen. Der Hamas-Exilchef Chaled Maschaal sagte, seine Organisation bewerte die Freilassung als Beweis dafür, dass Hamas wieder die Sicherheit im Gazastreifen gewährleiste.

Nach übereinstimmenden Angaben ist Johnston bei guter Gesundheit, ein AFP-Journalist beschrieb ihn als müde, aber fröhlich. In einem Telefoninterview mit der BBC sprach er von einer "entsetzlichen" Erfahrung. Zugleich dankte er allen, die an seiner Freilassung gearbeitet hätten. Nach seiner Freilassung wurde Johnston zunächst zum Sitz des entlassenen Regierungschefs Ismail Hanija gebracht, danach zum Wohnhaus des Hamas-Politikers. Dort traf er mit BBC-Kollegen zusammen. Der Direktor der BBC in Gaza, Sajed Abu Samallah, bestätigte, dass Johnston in guter Verfassung sei: "Alan ist in unseren Händen, er ist bei guter Gesundheit." Verantwortliche der Hamas sagten, den Entführern sei zugesichert worden, nicht von der Justiz verfolgt zu werden.

"Hohes Maß an Stress"

Johnston sagte in dem BBC-Interview, seine Entführung sei "ein außerordentlich hohes Maß an Stress und psychologischem Druck über eine lange Zeit" gewesen. Die meiste Zeit seiner Entführung habe er aber ein Radio gehabt. Das große Interesse an seiner Entführung sei für ihn eine "enorme psychische Kräftigung" gewesen. Er dankte "der unglaublichen Zahl von Menschen, die auf der palästinensischen Seite arbeiteten, der britischen Regierung, der gesamten BBC und der riesigen Unterstützung durch die BBC-Hörer".

Sicherheitskräfte der Hamas hatten am Dienstag den Druck auf die mutmaßlichen Entführer des BBC-Journalisten erhöht. Bei Zusammenstößen mit Mitgliedern der Armee des Islam am mutmaßlichen Aufenthaltsort des verschleppten Briten kam ein Mensch ums Leben, wie die Hamas und Augenzeugen übereinstimmend mitteilten. Ein Hamas-Sprecher sagte Journalisten, der Einsatz in Gaza habe nicht die Befreiung des Briten zum Ziel gehabt.

Entführer drohten mit Ermordung

Der mehrfach preisgekrönte Journalist Johnston war seit 2004 Korrespondent der BBC in Gaza und arbeitete als letzter westlicher Reporter dauerhaft im Gazastreifen. Zu seiner Entführung bekannte sich die Gruppe Armee des Islams. Sie drohte mehrfach mit der Ermordung des 45-Jährigen und forderte die Freilassung von Gefangenen in Jordanien und Großbritannien. Am 24. Juni tauchte ein Video auf, dass den Journalisten mit einem Bombengürtel zeigte. Diesen würden seine Entführer sprengen, wenn es einen Befreiungsversuch gebe, sagte Johnston in der Aufzeichnung. Im Gazastreifen wurde bislang keine Geisel so lang gefangen gehalten wie er. (mit AFP)