Nahost : Großbritannien zieht 3000 Soldaten aus dem Irak ab

Der britische Premierminister Gordon Brown hat die Reduzierung der britischen Truppen im Irak auf über die Hälfte angekündigt. Den Atomstreit mit Teheran will er mit Diplomatie und notfalls mit Sanktionen lösen. Er sieht Iran mitverantwortlich für Gewalt und Terrorismus im Irak.

Irak
Truppenabzug: Großbritannien will die Anzahl der Soldaten im Irak auf 3000 reduzieren. -Foto: dpa

LondonDer britische Premier Gordon Brown hat im Parlament angekündigt, bis zum Frühjahr 3000 britische Soldaten aus dem Irak abzuziehen. Derzeit sind noch rund 5500 Soldaten im Süden des Landes stationiert. Brown hatte bereits vergangene Woche den Abzug von insgesamt 1000 britischen Soldaten bis zum Jahresende verkündet. Ein Abzug sei jedoch nicht das Eingeständnis einer Niederlage, betonte Brown dabei.

Zuvor hatte Brown Iran beschuldigt, im Irak für "Gewalt, Terrorismus und den Verlust von Menschenleben" verantwortlich zu sein. Großbritannien nehme die nuklearen Bestrebungen Irans sehr ernst, sagte Brown. "Wir sind bereit, diplomatische Mittel und Sanktionen weiter zu nutzen, um das Problem in den Griff zu bekommen. Aber ich schließe nichts aus", sagte Brown. Er sei aber davon überzeugt, dass Teheran mit Diplomatie und notfalls Sanktionen überzeugt werden könne, den internationalen Verpflichtungen nachzukommen. Der Westen verdächtigt Iran, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Kernenergie heimlich am Bau von Atomwaffen zu arbeiten.

Brown: Entscheidung basiert auf "ersten Instinkt"

Seine Entscheidung gegen vorgezogenen Neuwahlen verteidigte Brown. Er habe Parlamentswahlen in Betracht gezogen und auch an einen Wahlsieg seiner Labour-Partei geglaubt, sagte Brown während seiner monatlichen Pressekonferenz, kurz vor seiner Rede zum Irak-Kurs im Unterhaus. Letztendlich habe er es aber vorgezogen, zu warten und einen längeren Anlauf zu nehmen. Medien und Opposition hatten Brown am Wochenende vorgeworfen, er habe seine Meinung geändert, weil Umfragen der Labour-Partei eine Wahlniederlage prognostizierten. Zuvor hätten Browns Berater aber die Bürger schon auf Neuwahlen eingestimmt.

Brown trat diesen Vorwürfen entgegen: "Alles was in der Downing Street geschieht, liegt in meiner direkten Verantwortung", sagte er. Seine Entscheidung basiere auf einem "ersten Instinkt". Er wolle seinen Bürgern vor den Wahlen zeigen, wie seine "Vision" der Zukunft aussieht und sie auch umsetzen. Theoretisch kann Brown bis zum Mai 2010 weiterregieren. (mit dpa/AFP)