Nahost : Iranischer Atom-Chefunterhändler zurückgetreten

Der iranische Atom-Chefunterhändler Ali Laridschani ist zurückgetreten. Im Vergleich zum iranischen Präsidenten ist er eher gemäßigt. Sein Nachfolger wird Vize-Außenminister Said Dschalili.

Iran
Der iranische Atom-Chefunterhändler legt sein Amt nieder. -Foto: AFP

TeheranDer iranische Chefunterhändler im Streit um das Atomprogramm des Landes, Ali Laridschani, hat sein Amt niedergelegt. Ein Regierungssprecher teilte mit, Präsident Mahmud Ahmadinedschad habe den Rücktritt akzeptiert. Gründe für den Schritt wurden offiziell nicht mitgeteilt. Nachfolger Laridschanis als Leiter des für Atomfragen zuständigen Nationalen Sicherheitsrats wird Vize-Außenminister Said Dschalili, wie die Nachrichtenagentur ISNA berichtete. Der bislang in der Öffentlichkeit wenig bekannte Karrierediplomat war im Außenamt für europäische und amerikanische Angelegenheiten zuständig.

In den vergangenen Monaten hatte es Spekulationen über Differenzen zwischen Laridschani und dem als Hardliner geltenden Präsidenten gegeben. Insbesondere wegen harscher, kompromissloser Äußerungen Ahmadinedschads in der Atomfrage, die Laridschanis diplomatische Bemühungen um eine Beilegung des Konflikts erschwerten, wolle der Atom-Unterhändler seinen Posten aufgeben, hatte es geheißen.

Treffen in Rom

Nach Angaben des Regierungssprechers wird Dschalili an diesem Dienstag an einem mit dem EU-Außenbeauftragen Javier Solana vereinbarten Treffen in Rom teilnehmen. Der Nationale Sicherheitsrat bestätigte dies zunächst nicht direkt. Die Entscheidung über die Besetzung der iranischen Delegation werde rechtzeitig getroffen.

Der Westen wirft dem Iran vor, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Kernenergie den Bau von Atombomben anzustreben. Teheran hat dies stets vehement bestritten. Dem islamischen Staat drohen im Weltsicherheitsrat verschärfte Sanktionen, weil er bisher der Forderung des höchsten UN-Gremiums nach Einstellung seines umstrittenen Urananreicherungsprogramm nicht nachgekommen ist.

Erst vor wenigen Tagen hatten die USA nochmals nachdrücklich vor einem atomaren Wettlauf im Nahen Osten gewarnt. Präsident George W. Bush hatte im Zusammenhang mit dem iranischen Atomprogramm sogar von der Gefahr eines "Dritten Weltkriegs" gesprochen, was aber später als "rhetorische" Bemerkung relativiert wurde. (mit dpa)