Nahost-Quartett : Blair als Gesandter in Nahost

Tony Blair ist erstmals in seiner Rolle als Nahost-Sondergesandter unterwegs. Bei Gesprächen mit dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas und dem israelischen Präsidenten Schimon Peres sollen seine Aufgaben im Rahmen des Nahost-Quartetts geklärt werden.

Ramallah/JerusalemDer frühere britische Premierminister Tony Blair hat erstmals in seiner Funktion als Nahost-Sondergesandter mit der israelischen und der palästinensischen Führung gesprochen. "Ich versuche derzeit, ein Gespür und ein Gefühl dafür zu bekommen, was hier vor sich geht", sagte er nach seinem Treffen mit dem palästinensischen Übergangspremier Salam Fajad in Ramallah im Westjordanland. Blair ist im Auftrag des Nahost-Quartetts (UN, EU, USA und Russland) in der Region tätig. Zuvor hatte er in Ramallah mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und in Jerusalem mit dem israelischen Präsidenten Schimon Peres gesprochen.

Blair soll palästinensische Institutionen und Wirtschaft unterstützen

Am Abend wollte er mit dem israelischen Regierungschef Ehud Olmert zusammenkommen. Die Begegnungen dienten vor allem der Klärung des Mandats von Blair. Seine Aufgabe als Gesandter des Quartetts ist es vorrangig, den Aufbau der palästinensischen Institutionen und Wirtschaft zu unterstützen. Nach den Worten des palästinensischen Chefunterhändlers Saeb Erekat hat Abbas ein Ende der israelischen Besatzung und die Schaffung eines Palästinenserstaates besonders betont. Fajad unterstrich: "Dies ist ein politischer Prozess, dessen Ziel die Beendigung der seit 1967 währenden Besatzung ist." Erwartungsgemäß vermied Blair jeden Kontakt zur radikal-islamischen Hamas, die von der internationalen Gemeinschaft boykottiert wird. Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri nannte Blair ein "amerikanisch-israelisches Werkzeug, das dem palästinensischen Volk nichts zu bieten hat".

Die Islamisten hatten Mitte Juni im Gazastreifen die Macht gewaltsam an sich gerissen. Abbas und die von ihm geführte Fatah-Bewegung kontrollieren seitdem nur noch die nicht von Israel besetzten Gebiete im Westjordanland. Dort kam es indessen an der Universität von Nablus zu einem bewaffneten Zusammenstoß zwischen Studenten, die den verfeindeten palästinensischen Fraktionen anhängen. Dabei wurden mindestens sechs Beteiligte verletzt. Zuvor hatten Hamas-Sympathisanten entgegen einem Verbot der politischen Betätigung auf dem Campus Flugblätter verteilt. Bei einem israelischen Luftangriff wurde in Gaza ein Wohnhaus schwer beschädigt. Der Angriff galt offenbar einem führenden Kader des Islamischen Dschihad, der jedoch überlebte. Der Islamische Dschihad hatte in den vergangenen Tagen mehrfach Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert. (mit dpa)