Nahost : Raketenangriffe auf Abbas' Büro

Die Kämpfe zwischen Hamas und Fatah im Gazastreifen dauern an. Es gab Angriffe auf das Büro von Palästinenserpräsident Abbas und das Haus von Ministerpräsident Hanija. Ein Fatah-Funktionär wurde getötet.

GazaDie Kämpfe zwischen den rivalisierenden Palästinensergruppen Hamas und Fatah im Gazastreifen sind in der Nacht zu Dienstag fortgesetzt worden. Ein Palästinenser wurde getötet, wie aus Krankenhauskreisen bekannt wurde. Am Morgen schlugen nach Angaben von Sicherheitskräften drei Mörsergranaten in der Nähe des Büros von Palästinenserpräsident und Fatah-Chef Mahmud Abbas ein. Wenige Minuten später beschädigte eine Mörsergranate das Haus von Hamas-Ministerpräsident Ismail Hanija, wie sein Büro mitteilte. Den Angaben zufolge gab es bei den beiden Angriffen weder Tote noch Verletzte.

"Beschämende Kämpfe"

Bei einer neuen Eskalation der Gewalt zwischen Hamas und Fatah waren am Montag bei Kämpfen im Gazastreifen mindestens 16 Menschen getötet worden. Mehr als 60 weitere wurden nach Angaben von Ärzten verletzt. Im Süden Gazas griffen nach Angaben von Augenzeugen am späten Abend dutzende Kämpfer der radikal-islamischen Hamas das Hauptquartier eines Sicherheitsdienstes an. Der Chef einer ägyptischen Vermittlerdelegation drohte den verfeindeten Gruppen, die palästinensische Bevölkerung gegen sie zu mobilisieren, sollten sie die Kämpfe nicht einstellen.

Er habe die Führer der kämpfenden Gruppen für Dienstagmittag in sein Büro bestellt, sagte der ägyptische Delegationsleiter General Burhan Hamad in Gaza. "Wir sollten uns auf die totale Einstellung dieser beschämenden Kämpfe einigen", sagte er. Ansonsten drohte er, tausende Palästinenser auf die Straße zu führen, um gegen Hamas und Fatah zu demonstrieren.

Fatah-Generalsekretär getötet

Am Abend töteten Kämpfer der radikal-islamischen Hamas den Generalsekretär der Fatah im nördlichen Gazastreifen, Dschamal Abu al-Dschidian. Er ist das bislang hochrangigste Opfer in der jüngsten Runde der innerpalästinensischen Kämpfe. Nach Angaben eines Fatah-Sprechers hatten die Hamas-Kämpfer das Haus Al-Dschidians zunächst umstellt und beschossen. Dabei sei der Funktionär verwundet worden. Auf dem Weg ins Krankenhaus hätten sie den Mann dann mit 40 Schüssen getötet. Nach Berichten palästinensischer Radiostationen wurden bei dem Überfall auch mehrere Familienmitglieder Al-Dschidians verschleppt, darunter sein Bruder.

Aus Rache für den Tod Al-Dschidians töteten Fatah-Kämpfer einen zuvor als Geisel genommenen Angehörigen einer zur Hamas gehörenden Sicherheitstruppe des Innenministeriums. Daraufhin hätten Hamas-Kämpfer den kurz zuvor verschleppten Bruder Al-Dschidians erschossen, verlautete aus Sicherheitskreisen.

Schießereien in Bet Hanun trotz vereinbarter Feuerpause

Am späten Abend sprengten Hamas-Kämpfer das Haus eines Polizeioffiziers in einem Lager am Strand im Westen Gazas in die Luft. Wie Augenzeugen berichteten, wurden die Mutter und die Tochter des Polizisten getötet. Der Mann selbst sei zum Zeitpunkt des Überfalls nicht im Haus gewesen.

Zu heftigen Schießereien zwischen Angehördigen der Fatah und der Hamas kam es auch in Bet Hanun im Norden des Gazastreifens, obwohl beide Gruppen sich zuvor unter ägyptischer Vermittlung auf eine Feuerpause geeinigt hatten. Bereits am Sonntag waren bei Kämpfen mindestens drei Palästinenser getötet worden. (mit AFP/dpa)