Namenstaufe : Evonik setzt auf Öko

Mit neuem Namen und neuen Farben will der ehemalige RAG-Konzern auch sein Image aufpolieren. Zahlreiche "grüne" Projekte und eine aufwändigen Image-Kampagne sollen für den Konzern mit dem Namen Evonik Aktionäre locken.

Wolfgang Dahlmann
Evonik
Neuer Name, grüneres Image? -Foto: ddp

EssenNeue Farb- und Namenlehre beim RAG-Beteiligungskonzern: Aus RAG wird Evonik, aus dunkler Schrift wird Lila auf weißem Hintergrund. Konzernchef Werner Müller hat nach Kunstnamen und Farben gesucht, die auf dem Weg zum Börsengang alle Gedanken an Kohle, Ruß und Staub verscheuchen sollen. Der alte Name RAG, der aus der alten Ruhrkohle AG hervorgegangen ist, bleibt der Stiftung erhalten. Die Stiftung soll Evonik an die Börse bringen, sie kümmert sich aber auch um die Endphase der subventionierten Steinkohle.

Mit einer ganz anderen Farbe will Müller auf dem Weg zum Börsengang Investoren den Kauf großer oder kleiner Aktienpakete schmackhaft machen. "Grün" ist Müllers Vorzeigefarbe. Damit meint er nicht Begrünungsvorhaben in der Immobiliensparte, sondern Energie sparende Projekte im Chemie- und Kraftwerks-Geschäft.

Dreistelliger Millionenbetrag für Sonnenenergie

"Ich denke, dass wir ganz gute Chancen haben, wenn wir den Investoren darlegen können, dass wir wirklich gute Projekte in der Pipeline haben", sagte Müller bei der Namenstaufe in der Essener Konzernzentrale. Anschließend gab er einen Einblick in besagte grüne Projekte. Einen dreistelligen Millionenbetrag werde Evonik mittelfristig in Vorprodukte für die Photovoltaik investieren. "Für die Herstellung von Solarsilizium benötigen wir im Vergleich zu bisherigen Verfahren 90 Prozent weniger Energie." Diesen ökologisch wichtigen wie renditestarken Markt will Müller stärker in Angriff nehmen.

Investieren will Evonik auch in der Papierherstellung. Da will der Konzern das Verfahren mit dem Chlor-Ersatz Wasserstoffperoxid vorantreiben. Mit Werkstoffen aus Kunststoff wollen die Essener Metalle ersetzen und damit Autos und Flugzeuge leichter machen. Das spare ebenso Sprit wie die Neuentwicklungen für die Reifenindustrie, die den Rollwiderstand herabsetzen sollen. "Wären alle Pkw und Lkw in Europa mit "grünen Reifen" ausgerüstet, würden laut Expertenschätzungen jährlich 4,5 Milliarden Liter Diesel und 1,5 Milliarden Liter Benzin eingespart", referierte Müller über Vorzüge aus dem ehemaligen Degussa-Haus. Der Name der Spezialchemie-Tochter verschwindet ebenso wie die Namen der anderen Töchter Steag und RAG Immobilien. Einen zweistelligen Millionenbetrag lässt sich Müller die komplette Umbenennung kosten.

Auch Kohlekraftwerke sollen grüner werden

"Ein neuer Name ist aber auch nur ein Name", fügte Müller hinzu. Und ein grüner Konzern sei Evonik auch nicht gleich. Eine Reihe von Produktionsprozessen belasteten die Umwelt nun 'mal. Aber selbst bei Kohlekraftwerksprojekten ließe sich etwas machen. Die neuen Kraftwerke kämen auf eine Energieeffizienz von 45 Prozent. Der Durchschnitt bestehender Kraftwerke liege unter 30 Prozent.

Verdienen will Müller vor allem mit den Zukunftsprojekten. "Mittel werden wir nur für Investitionen bereitstellen, die im Geschäftsfeld Chemie eine Mindestrendite vor Steuern von 16 Prozent, im Geschäftsfeld Energie von 10,5 Prozent und im Geschäftsfeld Immobilien von 6,3 Prozent erwirtschaften." Was die Vorgaben nicht erfülle, werde gestrichen. "Auf dem Weg zu nachhaltigem Ergebniswachstum gibt es keine "heiligen Kühe"", betonte Müller. (mit dpa)