Nationalfeiertag : Taiwans Präsident kritisiert China

Am Nationalfeiertag Taiwans nahm der Präsident des Landes kein Blatt vor den Mund und bezeichnete China als militärische Bedrohung. Chen Shui Bian forderte sein Nachbarland auf, die auf Taiwan gerichteten Waffen abzuziehen.

Taipeh Taiwans Präsident Chen Shui Bian hat anlässlich des Nationalfeiertages seines Landes China als Bedrohung für den Weltfrieden bezeichnet. "Mit Chinas schnellem Aufstieg und dem unerbittlichen Aufbau seines Militärs ist die 'Gefahr China' nicht mehr nur auf die Konfrontation mit Taiwan begrenzt. Tatsächlich beeinträchtigt sie bereits den Weltfrieden", sagte Chen in einer im Fernsehen ausgestrahlten Rede an die taiwanische Bevölkerung.

Seine Abwehrbereitschaft demonstrierte Taiwan mit einer Militärparade mit hunderten Soldaten sowie Kampfflugzeugen in der Hauptstadt Taipeh. Bei der Parade wurden unter anderem Raketen mit Ultraschalltechnik und ein selbst entwickeltes unbemanntes Überwachungsflugzeug zur Schau gestellt. Nicht gezeigt wurde hingegen der Marschflugkörper Hsiung Feng 2E, der aufgrund seiner Reichweite China treffen könnte.

Taiwan: Peking verwendet "eine aggressive Rhetorik"

Chen sagte in seiner Rede, Peking habe Taiwans Friedensangebote ignoriert und verwende eine "mehr denn je eine aggressive Rhetorik und militärische Einschüchterung". Er forderte das riesige Nachbarland auf, umgehend die knapp 1000 auf Taiwan gerichteten Raketen abzubauen und keine Militärmanöver mehr abzuhalten, die einen Einsatz gegen Taiwan simulieren. Schließlich seien China und Taiwan zwei unabhängige souveräne Staaten.

Chen bekräftigte erneut Taiwans Absicht, Mitglied der Uno zu werden. "Unser Volk hat das Recht, eine angemessene Vertretung in den Vereinten Nationen zu fordern." Darüber solle während der Präsidentschaftswahl im März ein Referendum abgehalten werden. Das Generalkomitee der UN-Vollversammlung hatte im September einvernehmlich einen Antrag zurückgewiesen, die Frage einer UN-Mitgliedschaft Taiwans auf die Tagesordnung der Vollversammlung zu setzen. Taiwan war 1971 mit dem UN-Beitritt der Volksrepublik China aus der Weltorganisation ausgeschlossen worden. Die Regierung in Peking lehnt eine UN-Mitgliedschaft Taiwans kategorisch ab. Sie betrachtet die Insel als abtrünnige Provinz. (mit AFP)