Nationalmannschaft : Ballack lobt Löw: Bundestrainer ist "unantastbar"

Michael Ballack hat Joachim Löw demonstrativ gelobt und nochmals betont, dass es nie seine Absicht gewesen sein, den Bundestrainer anzugreifen. "Der Trainer war für mich absolut unantastbar, und er ist es immer noch", sagte der Nationalmannschafts-Kapitän.

DüsseldorfNationalmannschaftskapitän Michael Ballack hat Joachim Löw in den höchsten Tönen gelobt und seinen Konflikt mit dem Bundestrainer indirekt als Missverständnis dargestellt. "Der Trainer war für mich absolut unantastbar, und er ist es immer noch. Damals war das ein Zeitpunkt für mich, wo ich dachte: Ich kann jetzt mal ein paar Dinge sagen, die mir auf dem Herzen liegen, ohne dass es jemandem schadet", sagte der DFB-Kapitän in Interviews mehrerer Zeitungen.

Ballack: Wollte Löw nicht schwächen

Mit der Kritik an der Personalpolitik Löws und mit der Unterstützung für seinen Teamkollegen Torsten Frings nach den WM-Qualifikationsspielen im Oktober 2008 habe er einfach sein "Gefühl" und seine "Meinung" geäußert. "Es war nicht meine Absicht, den Trainer persönlich anzugreifen und zu schwächen", sagte Ballack.

Der Chelsea-Profi bezeichnet Löw als Architekt der Erfolge der deutschen Fußball-Nationalmannschaft: "Er hat schon als Co-Trainer unter Jürgen Klinsmann prägend gewirkt. Er hat der Mannschaft ein Gesicht gegeben. Und jetzt, als Cheftrainer, sieht man seine Qualitäten erst recht: Wie er versucht, jeden Spieler zu verbessern. Wie er eine klare Linie hat, eine Vorstellung, wie er Fußball spielen möchte - und wie er von dieser Vorstellung nie abweicht", sagte Ballack.

Ballack bedauert die Trainer

Die Diskussion um Stammplätze im Nationalteam sei nach seinen kritischen Interview-Aussagen zu intensiv geführt worden. "Ich glaube, das Wort Konkurrenzkampf ist in den letzten Wochen und Monaten ein bisschen überbewertet worden", sagte Ballack. Konkurrenzkampf sei für ihn im Profi-Fußball ganz normal, betonte der 32-Jährige. Der Trainer-Job sei undankbar, betonte Ballack. "Trainer zu sein, das ist gar nicht so einfach. Und es allen recht zu machen, das geht sowieso nicht."

Die Situation bei seinem englischen Arbeitgeber nach der Entlassung von Trainer Luiz Felipe Scolari am Montag wollte Ballack noch nicht bewerten. "Ich fand es überraschend. Ich bin jetzt hier bei der Nationalmannschaft, und dann platzt so was rein - das ist unangenehm. Ich bin nicht vor Ort, aber es ist natürlich im Hinterkopf: Wenn ich am Donnerstag wieder nach London komme, dann ist eine neue Situation da", sagte Ballack.

Angebliche Intrigen gegen Scolari aus der Mannschaft wollte Ballack nicht bestätigen. "Wir wollten Erfolg haben. Dass das am Schluss nicht immer geglückt ist, lag sicher nicht nur am Trainer, sondern auch an uns Spielern. Scolari hat schließlich in der Vergangenheit bewiesen, dass er ein erfolgreicher Trainer ist." Englische Medien hatte berichtet, dass sich einige Akteure des Starensembles bei Klub-Chef Roman Abramowitsch über Scolari beschwert hätten. (mbo/dpa)