Nationalmannschaft : Gereizter Lehmann: "Ich werde spielen"

Noch zwickt der gereizte Ellenbogen, doch genervt ist Jens Lehmann nur von den Spekulationen um seine Zukunft beim FC Arsenal. Bundestrainer Joachim Löw stärkt seiner Nummer 1 den Rücken.

Jens Lehmann Foto: dpa
Jens Lehmann reagierte auf die Fragen der Journalisten gereizt. -Foto: dpa

Köln"Ihre ganzen Interpretationen gehen mir so auf den Nerv. Fragen sie mich also nicht dazu, wie ich ihre Interpretationen interpretiere", raunzte die deutsche Nummer 1 einen Reporter an, der sich erdreistet hatte, Lehmanns Position bei dem Londoner Klub in Frage zu stellen. "Arsene Wenger wird mich wieder aufstellen. Ich werde wieder spielen", verkündete der 37-Jährige selbstsicher. Nach zwei dicken Fehlgriffen zum Saisonauftakt in der Premier League war die im Nationaltrikot weiter unumstrittene Nummer 1 wegen Beschwerden an Achillessehne und Ellenbogen bei Arsenal zuletzt nicht berücksichtigt worden - Konkurrent Manuel Almunia sprang ein und spielte gut.

Für einen Einsatz im EM-Qualifikationsspiel der DFB-Elf am Samstag in Wales gab Lehmann "Grünes Licht", obwohl er sich noch nicht zu 100 Prozent fit fühlt. "Es zwickt ab und zu. Aber ich denke, dass ich gut durch das Spiel komme", sagte Lehmann, der sich seine schmerzhaften Blessuren beim 2:1-Sieg der DFB-Elf gegen England am 22. August im Londoner Wembley-Stadion zugezogen hatte. In den Trainingseinheiten konnte der Wahl-Engländer nun schon wieder "einige harte Bälle halten". Doch erst beim Ernstfall in Cardiff sieht Lehmann seinen Fitnesszustand wirklich auf dem Prüfstand. "Ein Spiel über 90 Minuten ist etwas anderes als ein Training."

Offener Disput mit Arsenal-Trainer Wenger?

Mit fauchender Stimme antwortete Lehmann auch auf sachlich gestellte Fragen nach seinem Nummer-1-Status bei Arsenal - der in jedem Fall zumindest mittelfristig auch seine Position im DFB-Team beeinflussen wird. "Wenn ich das alles verfolgen würde, würde ich verrückt werden", sagte der 47-malige Nationalspieler zu der besonders in englischen Medien geführten Diskussion um seinen Stellenwert bei den "Gunners". "Diese Interpretationen gehen mir so auf den Nerv", sagte Lehmann. Sein Heim-Trainer Wenger hatte nach den ungewöhnlichen Fehlern in den ersten beiden Saisonspielen kein klares Bekenntnis mehr zu Lehmann abgegeben. Angeblich soll es auch zu einem offen ausgetragenen Disput mit dem französischen Coach gekommen sein.

Den erwünschten Rückhalt genießt Lehmann zur Zeit nur bei der Nationalmannschaft. "Jens Lehmann hat seine Klasse und Wichtigkeit für uns bewiesen", betonte Joachim Löw. Ganz ausschließen kann der Bundestrainer aber offenbar nicht, dass seiner Nummer 1 in London schwierige Wochen bevorstehen könnten. "Sollte er länger nicht spielen, müssten wir im November mal überlegen", meinte Löw.

Bei Arsenal hat Lehmann noch einen Vertrag bis zum Saisonende 2008 und in dem Spanier Almunia und dem polnischen Nationaltorwarat Lukasz Fabianski gleich zwei äußerst ehrgeizige Konkurrenten. Ende 2004 war Lehmann von Wenger nach schlechteren Leistungen zwischenzeitlich schon einmal hinter Almunia ins zweite Glied versetzt worden, hatte sich seinen Stammplatz aber schließlich zurückerkämpft. (mit dpa/sid)