Nationalmannschaft : Kampf um EM-Tickets geht in entscheidende Phase

16 Nationalspieler dürften ihr Ticket für die EM im kommenden Jahr in der Tasche haben. Bundestrainer Joachim Löw kündigte unterdessen einen "knallharten Konkurrenzkampf" für die restlichen Kandidaten an.

Joachim Löw
Nationaltrainer Joachim Löw (r. ) und Lukas Podolski -Foto: ddp

Die Verabschiedung nach dem letzten Länderspiel des Jahres fiel länger als gewohnt aus. Joachim Löw drückte nach dem 0:0 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Wales jedem Akteur die Hand, wünschte frühzeitig alles Gute für das neue Jahr.

Für einige EM-Kandidaten könnte es aber für lange Zeit das letzte Treffen mit dem Bundestrainer bei einem Länderspiel gewesen sein, denn in den vergangenen EM-Qualifikationsbegegenungen gegen Zypern (4:0) und eben Wales gab es auch einige Verlierer. 198 Tage vor dem EM-Start dürften allerdings derzeit 16 Spieler bei Löw gesetzt sein.

Borowski misslingt Eigenwerbung

Vor allem die Rückkehrer Tim Borowski, Mike Hanke und Oliver Neuville traten nach dem Jahresabschluss in Frankfurt/Main ernüchtert die Heimreise an. Der Bremer Mittelfeldspieler Borowski, gegen Zypern bereits die letzten 24 Minuten dabei, blieb gegen die biederen Waliser den Beweis seiner EM-Tauglichkeit schuldig. Und auch die beiden Angreifer Hanke, der bei seinem "Heimspiel" gegen die Zyprer in Hannover nur rund 20 Minuten spielen durfte, und Neuville von Zweitligist Borussia Mönchengladbach, der gegen Wales einen ähnlich kurzen Auftritt hatte, konnten keine Eigenwerbung betreiben.

Dass alle drei im Training einen guten Eindruck hinterlassen haben, wie es Löw diplomatisch formulierte, war für dieses Trio nur ein schwacher Trost. Ähnlich dürfte es Gonzalo Castro von Bayer Leverkusen und dem Hamburger Piotr Trochowski gehen, die im Kampf um die EM-Tickets deutlich an Boden verloren. Trochowski wurde gegen Zypern nach 66. Minuten vom Feld genommen, Castro nach einer indiskutablen Vorstellung gegen die Waliser in der 56. Minute erlöst.

Mit gemischten Gefühlen reiste Mittwochnacht auch Lukas Podolski zu seinem Klub Bayern München zurück. Nach seinem Galaauftritt gegen Zypern auf ungewohnter Position im linken Mittelfeld, wonach er selbst von Löw als "neuer Konkurrent" für seinen Kumpel und Vereinskollegen Bastian Schweinsteiger für die Position bezeichnet worden war, misslang dieses Experiment gegen Wales. "So können wir ihn nicht gebrauchen", meinte denn auch ARD-Experte Günter Netzer.

Der Bundestrainer bekräftigte aber, dass Podolski gezeigt habe, dass er eine "echte Alternative für das Mittelfeld ist, da er dort seine individuellen Stärken noch besser ausspielen kann". Für Löw, der Mitte Mai seinen 23-köpfigen EM-Kader benennen wird, schließt sich aber nach und nach der Kreis. "Wir haben noch zwei Spiele bis zur Nominierung. Für einige besteht bestimmt noch die Chance, auf den Zug aufzuspringen. Es zählt im nächsten Jahr die Leistung in der Bundesliga und in den internationalen Wettbewerben", sagte der 47-Jährige nach dem Wales-Spiel.

Knallharter Konkurrenzkampf angekündigt

Außerdem kündigte er einen "knallharten Konkurrenzkampf an, wenn einige verletzte Spieler im neuen Jahr zurückkommen". Dabei meinte der Bundestrainer vor allem sein WM-Mittelfeld mit Kapitän Michael Ballack, Torsten Frings, Bernd Schneider und Bastian Schweinsteiger, das zum Jahresabschluss komplett fehlte.

Falls keine Verletzungen dazwischen kommen, dürften auch der bei seinem Klub FC Arsenal zur Nummer zwei degradierte Torwart Jens Lehmann, in der Nationalelf seit 441 Minuten ohne Gegentor, Miroslav Klose, Ersatzkeeper Timo Hildebrand, Philipp Lahm, Christoph Metzelder, Per Mertesacker, Lukas Podolski, Marcell Jansen, Arne Friedrich, Kevin Kuranyi, Thomas Hitzlsperger und Mario Gomez ihr EM-Ticket sicher haben.

Gute Aussichten haben auch die Mittelfeldspieler Clemens Fritz und Roberto Hilbert, während rund ein Dutzend Kandidaten in den nächsten Wochen und Monaten noch um die restlichen Plätze kämpft.

Die aktuelle Situation im Überblick:

Gesetzte Spieler: Jens Lehmann, Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose, Michael Ballack, Timo Hildebrand, Philipp Lahm, Christoph Metzelder, Per Mertesacker, Torsten Frings, Bernd Schneider, Lukas Podolski, Marcell Jansen, Arne Friedrich, Kevin Kuranyi, Thomas Hitzlsperger, Mario Gomez

Gute Chancen: Clemens Fritz, Robert Enke, Roberto Hilbert

Wackelkandidaten: Gonzalo Castro, Manuel Friedrich, Christian Pander, David Odonkor, Simon Rolfes, Piotr Trochowski, Patrick Helmes, Stefan Kießling, Tim Borowski

Außenseiterchancen: Manuel Neuer, Serdar Tasci, Sami Khedira, Oliver Neuville, Jermaine Jones, Gerald Asamoah, Jan Schlaudraff, Mike Hanke (mit sid)