Nationalmannschaft : Lehmann schließt Vereinswechsel nicht mehr aus

Jens Lehmann könnte sich nun doch mit einen Vereinswechsel in der Winterpause anfreunden, sollte er bei Arsenal London nicht bald ins Tor zurückkehren. Der Nationalkeeper würde sogar einen sportlichen Abstieg in Kauf nehmen.

Klaus Bergmann,Jens Mende[dpa]
Lehmann
Nationaltorwart Jens Lehmann -Foto: ddp

MünchenJens Lehmann rechnet immer noch mit seiner Rückkehr ins Tor des FC Arsenal, aber für die Fußball-EM schließt er einen Vereinswechsel in der Winterpause nicht mehr aus. Der Torhüter verblüffte heute selbst den Trainerstab der deutschen Nationalmannschaft mit der Aussage, notfalls sogar einen Abstieg in die 2. Bundesliga in Kauf zu nehmen.

Zum Handeln gezwungen

"2. Liga kann ich mir nicht vorstellen", sagte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke und ließ durchblicken, dass er diese von Lehmann im "Kicker"-Interview ins Spiel gebrachte Variante nicht für wirklich ernstgemeint hält: "Das ist eine typische Jens-Lehmann-Aussage", kommentierte Köpke. Lehmann spürt allerdings, dass er unter Umständen im Winter handeln muss, wenn er im EM-Jahr 2008 seinen Status als klare Nummer 1 bei Joachim Löw behalten will.

"Entsprechend der Aussage des Bundestrainers muss ich sehen, wie es im Dezember aussieht", bemerkte Lehmann kurz vor den beiden letzten Länderspielen des Jahres zu seiner nun schon mehrere Wochen andauernden Reservistenrolle beim FC Arsenal. "Ich will in jedem Fall zur EURO, da zu spielen war immer mein Ziel", hob Lehmann nochmals hervor. Auch eine Rückkehr nach Deutschland ist für ihn vorstellbar: "Die Bundesliga ist immer attraktiv und eine Option; vielleicht auch die Zweite Liga."

Löw und Köpke sehen zwar aktuell keine neue Faktenlage, aber spätestens im Winter könnte auch aus ihrer Sicht Handlungsbedarf bestehen. "Natürlich braucht Jens Spielpraxis für die EM, das weiß er auch", sagte Köpke. Darum ist geplant, dass der seit Samstag 38 Jahre alte Lehmann nicht nur an diesem Samstag (20:15 Uhr/ZDF) in Hannover gegen Zypern sein 50. Länderspiel bestreiten darf, sondern auch zum Abschluss der EM-Qualifikation vier Tage später in Frankfurt gegen Wales zum Einsatz kommt.

"Im Moment gehe ich davon aus, dass er beide Spiele macht", sagte Köpke vor der Zusammenkunft des 23-köpfigen DFB-Kaders an diesem Dienstag in der Sportschule Barsinghausen. Derzeit können Lehmann und Löw nur gespannt abwarten, alles hängt von Arsenal-Coach Arsene Wenger ab. Der Franzose äußerte sich vor dem Meisterschaftsspiel von Arsenal am Montagabend beim FC Reading positiv über Lehmann, der seit drei Monaten kein Spiel mehr für den englischen Spitzenclub bestritten hat. "Er ist bereit für die Herausforderung, weil er zu 200 Prozent Profi ist", lobte der undurchsichtige Wenger den deutschen Torhüter.

"Almunia ist im Team und das Team spielt gut"

Dennoch sieht er aktuell keine Veranlassung, Lehmanns spanischen Konkurrenten Manuel Almunia wieder aus dem Tor zu nehmen. "Er hat nichts falsch gemacht. Almunia ist im Team und das Team spielt gut. So einfach ist das", sagte Wenger. Einem Vereinswechsel Lehmanns in der Winterpause erteilte der Franzose vorerst eine Absage. "Wenn die Situation im Januar noch so ist, werden wir sehen, was zu tun ist. Es ist November. Er hat genug Zeit, sich seinen Platz zurückzuerkämpfen", erklärte Wenger.

Lehmann, der die Degradierung zur Nummer 2 als Demütigung empfindet, glaubt nach wie vor daran, dass er bei Arsenal bald wieder spielen wird: "Ich wäre sehr überrascht, wenn es nicht so wäre." Beim DFB ist man offenbar skeptischer geworden. "Bis zum Winter sieht man ganz genau, was los ist", meinte Köpke, der Lehmann einen guten Umgang mit der für ihn schwierigen Situation bescheinigt: "Jens lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Er hat trotz der Situation zuletzt in Irland ein Superspiel gemacht."

Wenn Lehmann, dessen Vertrag in London zum Saisonende ausläuft, aber auch Ende des Jahres noch auf der Bank sitzen und einen Wechsel ernsthaft anstreben sollte, glaubt der Bundestorwarttrainer nicht an ein Veto des Premier-League-Klubs: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihm Arsenal dann Steine in den Weg legen würde."