Nationalmannschaft : Löw kritisiert Zweikampfverhalten in der Bundesliga

Wilde Attacken, wüste Grätschen, sich am Boden windende Spieler: Die Verletzungsmisere hat Bundestrainer Jogi Löw alarmiert. Er forderte die Bundesligaspieler auf, ihr Zweikampfverhalten zu ändern.

Mintal
Nürnbergs Marek Mintal wird nach einem Foul vom Platz getragen. -Foto: ddp

Frankfurt/Main Angesichts der dramatischen Personallage in der Nationalmannschaft und der Verletzungsschwemme in der Bundesliga fordert Joachim Löw alle Protagonisten des deutschen Fußballs zu einem weiteren "Umdenken" in grundsätzlichen Fragen der Trainings- und Wettkampf-Gestaltung auf. "Wir haben im Moment 60 verletzte Spieler in der Bundesliga", erklärte der Bundestrainer, da gelte es, mit allen Beteiligten nach den Ursachen zu forschen.

"Wir müssen analysieren und verdeutlichen, wie und wann die Verletzungen zustande gekommen sind", sagte Löw zwei Tage vor dem Test-Länderspiel am Mittwoch in England. Gleich elf Nationalspieler mussten verletzt für die Partie im Londoner Wembley-Stadion absagen.

DFB-Team sieht Überlastung

Die Häufung der Verletzungen gerade nach einer Sommerpause ohne WM, EM oder ein anderes großes Turnier hat den Trainerstab der Nationalelf alarmiert. Eine Überlastung und eine zu kurze Sommerpause könnten dieses Mal nicht als Begründung gelten. "Klar ist, es gibt mehr Verletzte als nach der WM. Dem muss man nachgehen", erklärte der Bundestrainer, der sich in einer Forderung bestätigt fühlt: Die Spezialisierung im Fußball muss weiter voran gehen. "Einige Vereine haben ihren Trainerstab erweitert, um ganz gezielt individuell an Schwächen und Stärken der Spieler arbeiten zu können." Diese Tendenz müsse fortgesetzt werden, forderte der Bundestrainer.

In einer Klausur im Schwarzwald haben Löw, sein Assistent Hansi Flick und Chefscout Urs Siegenthaler vor allem das Zweikampfverhalten in der Bundesliga untersucht. "Das lässt bei einigen Spielern zu wünschen übrig und muss in Deutschland optimiert werden", betonte der Bundestrainer. Viele Spieler würden schon das blanke Zerstören einer Aktion als Sieg im Zweikampf feiern: "Da wird einfach auf den Mann gegrätscht, ohne eine Chance, den Ball zu spielen."

Positivbeispiele: Lahm, Mertesacker, Metzelder

Ein Duell Mann gegen Mann müsse aber so geführt werden, dass der Ball sauber erkämpft wird und ein Angriff schnell eingeleitet werden kann. "Da muss es ein Umdenken geben", sagte Löw und nannte als positive Beispiele die Nationalspieler Philipp Lahm, Per Mertesacker und Christoph Metzelder. "Die gewinnen auch viele Zweikämpfe, weil sie stets nah am Mann sind und im richtigen Moment attackieren."

Eines zeige die aktuelle Negativ-Entwicklung laut Löw zudem deutlich: "Es macht wenig Sinn, noch mehr Spiele in den Rahmentermin-Kalender zu packen." Damit tritt der Bundestrainer auch einer Ausweitung des Ligapokals entgegen. Der DFB-Trainerstab möchte damit alle "sensibilisieren", die im deutschen Fußball tätig sind. (mit dpa)