Nationalmannschaft : Löw will gegen Irland EM-Ticket lösen

Große Überraschungen gab es nicht, als Nationaltrainer Joachim Löw seinen Kader für die EM-Qualifikationsspiele gegen Irland und Tschechien bekannt gab. Die Bremer Frings, Borowski und Fritz kehren zurück und Jens Lehmann steht wieder im Tor.

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Bereit für die EM. Bundestrainer Löw will gegen Irland das Ticket zur EM lösen. -Foto: dpa

Frankfurt am MainMit den Bremer Rückkehrern Torsten Frings, Tim Borowski und Clemens Fritz will Bundestrainer Joachim Löw in den Top-Spielen gegen Irland und Tschechien die Qualifikation für die Fußball-Europameisterschaft 2008 vorzeitig unter Dach und Fach bringen. Nach dem Ausfall von Kapitän Michael Ballack und Torjäger Miroslav Klose berief Löw das Trio von Werder Bremen trotz geringer Spielpraxis nach langwierigen Verletzungen in seinen 22-köpfigen Kader für die Länderspiele am 13. Oktober in Dublin gegen Irland sowie vier Tage später in München gegen Tschechien.

"Ich weiß, dass sie nicht in Topform sein können", räumte Löw in der Frankfurter DFB-Zentrale ein, "aber ich möchte sie im Kreis wieder dabei haben." Insbesondere die Rückkehr des 68-maligen Nationalspielers Frings, der ebenso wie Mittelfeld-Kollege Borowski am Mittwoch beim 1:3 der Bremer gegen Olympiakos Piräus in der Champions League erstmals wieder gespielt hatte, lag Löw am Herzen: "Torsten ist einer unserer Führungsspieler. Er war über Jahre ein unverzichtbarer Spieler in der Nationalmannschaft. Es war klar, dass er zurückkommt, wenn er wieder gesund ist."

Lehmann steht im Tor

Im Tor soll Jens Lehmann stehen, auch wenn der Schlussmann des FC Arsenal wegen seiner Ellbogen-Verletzung seit dem 2:0-Erfolg der DFB-Auswahl vor vier Wochen in Wales wieder pausieren musste. "Jens ist seit drei Tagen absolut belastbar. Er steht uns ohne Vorbehalte zur Verfügung", sagte Löw. Für den am Knie verletzten Klose rückte der Leverkusener Stefan Kießling als fünfter Angreifer in den Kader.

Auf einen Neuling verzichtete Löw, allerdings steht der Schalker Jermaine Jones auf dem Sprung. "Er gefällt uns. Er kann mit seiner Dynamik ein interessanter Spieler für uns werden", sagte Löw über den Mittelfeldspieler, den er immerhin in den "weiteren Kreis" beförderte. Bei einer speziellen Einstimmung von 35 Spielern am kommenden Dienstag in Berlin auf die EM-Endrunde 2008 wird Jones allerdings noch nicht dabei sein.

Das EM-Ticket soll am Samstag darauf in Irland gelöst werden. "Wir sind selbstbewusst genug, den einen Punkt, den wir noch brauchen, aus Dublin mitzunehmen", sagte Löw: "Wir wollen uns so früh wie möglich qualifizieren, um Planungssicherheit für das Turnier zu haben." Deutschland führt die Gruppe D mit 22 Punkten vor Tschechien (20) und Irland (14) an, die beide schon eine Partie mehr ausgetragen haben.

Keine Selbstbeweihräucherung bei der Nationalmannschaft

Die Qualifikation als erste Nation neben den automatisch startberechtigten Veranstaltern Österreich und Schweiz käme Löw gelegen angesichts der jüngsten Kritik von Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge, der eine "Beweihräucherung" der DFB-Auswahl beklagt hatte. "Es ist nicht so, dass wir uns nach Siegen beweihräuchern", konterte der Bundestrainer. Dass junge Spieler wie die Bayern-Profis Bastian Schweinsteiger (23) und Lukas Podolski (22) die Erfolge mit der Nationalmannschaft überheblich machten, glaubt Löw absolut nicht: "Ich habe das nicht festgestellt." Vielmehr würde auch er weitere Fortschritte fordern: "Wir dürfen uns nicht zurücklehnen. Wir sind bei weitem noch nicht in der Lage, alle Mannschaften zu dominieren."

So dominant wie die Nationalelf in der EM-Qualifikation sähe Löw auch gerne den VfB Stuttgart, Schalke 04 und Werder Bremen in der Champions League. "Natürlich sind wir etwas aufgeschreckt über die Ergebnisse. Sechs Spiele, fünf Niederlagen - das ist nicht erfreulich. Es wäre enttäuschend, würden wir im Frühjahr keine Mannschaft mehr in der Champions League haben." Alarmierend sei die Situation ohnehin: "320 Spieler waren in der Champions League im Einsatz, darunter zwölf Deutsche, das sind drei Prozent. Wir sind in der Champions League in der Minderheit. (mit dpa)