Nationalmannschaft : Schweinsteiger soll DFB-Team zum Sieg gegen Wales führen

Wenigstens Jens Lehmann ist für das EM-Qualifikationsspiel gegen Wales am Samstag einsatzbereit, wenn auch unter Schmerzen. Die Führung auf dem Feld soll aber Bastian Schweinsteiger übernehmen. Die Lage von Michael Ballack ist derweil weiter unklar.

Schweinsteiger
Neuer Chef. Bastian Schweinsteiger soll die Natinalmannschaft anführen. -Foto: dpa

KölnTorwart Jens Lehmann beißt für das wichtige EM-Qualifikationsspiel gegen Wales auf die Zähne und wird in Cardiff spielen, im Notstandsgebiet Mittelfeld muss Joachim Löw dagegen noch kräftig tüfteln. Nach dem Dreifach-Ausfall der mit 224 Länderspielen dekorierten Leistungsträger Michael Ballack, Torsten Frings und Bernd Schneider beförderte der Bundestrainer am Dienstag zunächst einmal Bastian Schweinsteiger zum Aushilfs-Chef beim ersten Ernstfall der EM-Saison. "Er soll die Führungsrolle übernehmen. Er kann uns fußballerisch weiterhelfen und entscheidende Impulse setzen", sagte Löw.

Parallel zur Vorbereitung auf die wichtige Partie am Samstag (20:30 Uhr/ZDF) im Millenium Stadium von Cardiff musste sich der DFB-Chefcoach weiter mit dem Champions-League-Aus von Ballack beim FC Chelsea beschäftigen. Erst in einem Gespräch mit seiner seit fast fünf Monaten verletzten Führungskraft erfuhr Löw, dass Ballack bei seinen Comeback-Bemühungen am Wochenende einen "kleinen Rückschlag" am verletzten Fuß erlitten hat. Dennoch traf den DFB-Kapitän die äußerst ungewöhnliche Aktion seines Arbeitgebers wie ein Blitz aus heiterem Himmel. "Er kann es sich auch nicht zu 100 Prozen erklären", berichtete Löw. Im Gegensatz zu seinen eigenen Vereinsärzten rechnet Ballack weiter mit einem schnellen Comeback. Die von Löw noch zu Wochenbeginn erhoffte Rückkehr ins Nationalteam im Oktober ist aber offenbar keinesfalls gesichert. "Es ist ein Auf und Ab", sagte der Bundestrainer.

Grünes Licht für einen Einsatz in Cardiff erhielt Lehmann. "Er hat noch leichte Beschwerden, aber die behindern ihn nicht so stark. Er wird spielen", legte sich Löw bereits drei Tage vor dem Spiel fest. Beim Torwarttraining konnte Lehmann alle Übungen mitmachen, fasste sich jedoch immer wieder an den entzündeten Ellenbogen und ließ sich auch an der gereizten Achillessehne behandeln. Mit Lehmann steht Löw die komplette Abwehr vom Prestige-Sieg in England (2:1) zur Verfügung. Im Gegensatz zum Wembley-Erfolg kann der Bundestrainer zudem zum gewohnten Spielsystem mit zwei Angreifern zurückkehren. Miroslav Klose und Kevin Kuranyi dürften - wie beim Training in Köln - auch in Cardiff das Angriffsduo bilden. Mario Gomez kommt vorerst eine Rolle als Joker zu, zumal der Stuttgarter wie der angeschlagene David Odonkor wegen muskulärer Probleme eine gesonderte Einheit im Teamhotel absolvierte.

Herausforderung für Schweinsteiger

Einzige, aber dafür große Baustelle bleibt für Löw das Mittelfeld. Neben der neuen Führungskraft Schweinsteiger dürften hier Thomas Hitzlsperger auf links und Philip Lahm in seiner gegen England erfolgreich erprobten Aushilfsrolle als "Sechser" gesetzt sein. "Es ist eine Herausforderung. Ich freue mich darauf", sagte Schweinsteiger zu seiner Spielmacher-Aufgabe. In seinem 44. Länderspiel soll "Silberkopf" Schweinsteiger ein Zeichen setzen. "Wir erwarten von ihm, dass er sich steigert", sagte Löw, der Wales als "kampfstärker" bezeichnete als den letzten Gegner England. "Die Waliser sind beseelt von ungeheurem Einsatz."

Mit einer 30-minütigen Videoanalyse des England-Spiels hat Löw sein Team auf die nächste Aufgabe eingeschworen. Trotz des Erfolges hatte der Bundestrainer auch in Wembley Schwächen gesehen, die der souveräne Tabellenführer der Qualifikationsgruppe D ausmerzen soll. "Wir müssen unsere Organisation verbessern und noch konsequenter nach vorne spielen", forderte Löw.

Eine nahezu überschwängliche Lobeshymne stimmte Löw auf Manuel Neuer von Schalke 04 an. "Wir sehen Manuel Neuer als Torwart mit großer Perspektive. Wir sind absolut überzeugt von ihm. Er hat ein enormes Können", sagte der Bundestrainer über den erstmals zum Fitnesstest zum A-Team geladenen Schlussmann. Tim Wiese von Werder Bremen, der sich via "Sport Bild" beklagt hatte, nicht zur Nationalmannschaft eingeladen worden zu sein, wurde derweil für seine Kollegenschelte heftig vom Bundestrainer gerüffelt. "Was nicht geht, ist, dass er sich über andere Torwarte äußert. Das ist respektlos", sagte Löw. (mit dpa)