Naturschutz : Spandau kauft Hälfte des Glienicker Sees

Spandau möchte durch eine 250.000 Euro teure Investition sicherstellen, dass der fischreiche und bei Freizeitsportlern beliebte See weiterhin zuverlässig gepflegt wird. Im Rathaus wurde befürchtet, dass ein privater Besitzer den Anforderungen eines umfassenden Naturschutzes nicht nachkommen könnte.

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Die östliche Hälfte des Groß Glienicker Sees geht zum 1. Januar in den Besitz des Bezirks Spandau über. Der Kaufvertrag ist bereits beurkundet worden, sagte Baustadtrat Carsten Michael Röding (CDU). Er sei stolz, dass man nach monatelangen Verhandlungen das Ziel erreicht habe, den Naturschutz dauerhaft zu sichern, sagte Röding. Früher bestand die Gefahr, dass der See aufgrund der Einleitung ungereinigter Abwässer „umkippt“. Seit der Installation einer Tiefenwasserbelüftungsanlage vor 18 Jahren hat sich die Situation nachhaltig stabilisiert.

In der Mitte des Sees verlief einst die Grenze zwischen dem damaligen West-Berlin und der DDR. Mit dem Kauf will das Bezirksamt eine ähnliche Entwicklung wie am zum Potsdamer Ortsteil Groß Glienicke gehörenden Westufer verhindern. Dort haben Grundstückseigentümer, wie berichtet, Teile des Uferweges gesperrt und liegen im Clinch mit der Stadtverwaltung. Ein vierjähriges Moratorium soll jetzt die Wogen glätten. Während die Stadt in dieser Zeit den Bebauungsplan für den Uferbereich ändern will, sollen die Anlieger auf Sperrungen verzichten. Andernfalls droht Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) mit Enteignungen. Aber auch auf Spandauer Seite gibt es Streit; hier geht es um Steganlagen, die nach Auffassung des Bezirksamtes illegal errichtet worden sind.

Die Berliner Hälfte des Sees im Ortsteil Kladow gehört bislang dem Eigentümer des Restaurants Strandbaude, Wolfram Ludwig. Mit ihm hatte der Bezirk stets ein einvernehmliches Verhältnis. Um den Erwerb bemühte sich Spandau, seit vor Monaten bekannt wurde, dass sich der Gastronom zur Ruhe setzen will. Denn im Rathaus wurde befürchtet, dass sich ein neuer, privater Besitzer den Belangen des Naturschutzes widersetzen könnte.

Ludwig beabsichtigte zunächst, Gewässer und Gaststätte gemeinsam zu verkaufen. Der Bezirk dagegen war aus Gründen des Naturschutzes nur am See, nicht aber an dem Restaurant interessiert. Strittig war in diesem Zusammenhang die Frage, ob das Land Berlin über ein Vorkaufsrecht für das Gewässer verfügte, wie es im Bundesnaturschutzgesetz vorgesehen ist. Weil ein solcher Passus im Berliner Naturschutzgesetz nicht enthalten ist, wurde dies von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung verneint. Der Bezirk Spandau vertrat dagegen die Ansicht, dass Bundes- über Landesrecht steht. Selbst die Senatskanzlei schaltete sich in die Prüfung der Rechtslage ein.

Nun hat man sich auch so gütlich einigen können. Der Besitzer hat die Seehälfte an den Bezirk verkauft. Für die Strandbaude gibt es andere Interessenten, so der Stadtrat. Den Erwerb konnte der Bezirk bewältigen, obwohl er wegen seines hohen Defizits unter Haushaltswirtschaft steht und größere Investitionen vom Finanzsenator genehmigt werden müssen. Man habe noch 300 000 Euro an zweckgebundenen Naturschutzmitteln verfügbar gehabt, die auch nicht anderweitig hätten ausgegeben werden können, betonte Stadtrat Röding.

Als Besitzer der Seehälfte habe der Bezirk Spandau „konzeptionell ganz andere Möglichkeiten“, sagte der Kommunalpolitiker. Dennoch plane man keine Sofortmaßnahmen und werde „ganz normal“ damit umgehen. Vorrang hätten für das Bezirksamt die dauerhafte Sicherung der Wasserqualität und des öffentlichen Zugangs der Uferbereiche. Hier befinden sich mit der „Pferdekoppel“ und dem „Moorloch“ auch zwei beliebte Badestellen. Der bis zu elf Meter tiefe See ist reich an Schleien, Barschen, Karpfen, Hechten und diversen Weißfischarten und ein beliebter Ort für Angler ebenso wie für Taucher.

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