Der Tagesspiegel : Navigationsgeräte im Dutzend gestohlen

Banden sind in Berlin und Brandenburg wieder sehr aktiv. Polizei gründet Ermittlungsgruppe „Navi“

Jörn Hasselmann

Potsdam – Kleinmachnow, Stahnsdorf, Teltow: Es sind die guten Wohnlagen, in denen nachts, so zwischen 23 und 3 Uhr, polnische und litauische Diebe unterwegs sind. Ihr Ziel: Autoradios und Navigationsgeräte. Das Aufbrechen und Ausbauen der bis zu 3000 Euro teuren Geräte dauert zwei Minuten, dann sind die Täter weg. Die Potsdamer Polizei hat jetzt nach einem massiven Anstieg der Taten eine Sonderkommission „Navi“ gegründet. Im ersten Quartal dieses Jahres wurden 176 Geräte entwendet, 30 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Allein 74 Geräte wurden in den Gemeinden Kleinmachnow und Stahnsdorf gestohlen. Das habe Auswirkungen auf das Sicherheitsempfinden der Anwohner, sagte der Leiter der Potsdamer Kripo, Dirk Volkland – auch deshalb die Soko „Navi“. Einem Stahnsdorfer seien vier Geräte innerhalb weniger Monate gestohlen worden, sagte der Leiter der Sonderkommission, Holger Kutzschebauch. Der Rekord pro Nacht waren 15 Geräte kurz vor Ostern – im Potsdamer Bereich. Dieselben Täter gehen auch in Berlin auf Tour. Im Spandauer Ortsteil Gatow wurden in der Nacht zu Donnerstag sieben Autos aufgebrochen. Betroffen seien vor allem teure Marken wie Mercedes oder Audi, hieß es bei der Kripo. Die Fahrzeuge werden entweder mit einem so genannten Polenschlüssel (einem Rohling) geknackt oder brachial aufgebrochen, der Schaden ist bei beiden Methoden hoch. Die Geräte werden nach Osteuropa geschafft oder im Internet versteigert.

„Die Täter arbeiten hochprofessionell“, sagte Potsdams Kripochef – viel mehr konnte die Polizei bislang nicht ermitteln. „Wir wissen relativ wenig“, sagte Volkland, das liege auch daran, dass kaum Hinweise aus der Bevölkerung kämen. Deshalb bittet die Polizei die Bürger um Mithilfe: Wer Fremde beobachtet, die sich für geparkte Fahrzeuge interessieren, egal ob zu Fuß, vom Rad aus oder aus einem Auto heraus, solle die Polizei anrufen – aber auf keinen Fall die Verdächtigen ansprechen.

Gänzlich unbekannt seien die Hintermänner, heißt es bei Berliner und Potsdamer Kripo gleich lautend. In diesem Jahr konnte die Potsdamer Polizei drei polnische Täter festnehmen, im ganzen Jahr 2004 auch nur drei. Verraten haben sie in ihrer Vernehmung – wie alle osteuropäischen Auftragstäter – gar nichts. Die Polizei vermutet, dass die Litauer und Polen nur für wenige Tage nach Deutschland einreisen, hier bei Landsleuten übernachten und nachts auf Tour gehen.

In Berlin wurde eine entsprechende Sonderkommission dagegen im Dezember 2004 nach einem knappen Jahr aufgelöst, nachdem die Taten in der für Südwest-Berlin zuständigen Direktion 4 um 25 Prozent zurückgegangen waren. Aber auch ohne Soko werden in Berlin Täter erwischt: Drei waren es in der Nacht zu Donnerstag, von denen zwei Haftbefehl erhielten. Die für Spandau zuständige Direktion berichtete, dass auch tagsüber teure Autos aufgebrochen werden. Die Opfer sind meist Friedhofsbesucher und Spaziergänger im Grunewald.

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