Der Tagesspiegel : Nebenkläger beschuldigen Hintze-Entführer Serow und Orlow des Mordes

POTSDAM (Reuters/ADN).Im Prozeß um die Entführung und den Tod des Gastwirtssohnes Matthias Hintze vor dem Potsdamer Landgericht sind die Nebenkläger gestern in die Offensive gegangen.Die Anwälte der Eltern des Toten erhoben gegen den Angeklagten Sergej Serow den Vorwurf des Mordes.Dieser Tatbestand sei bereits durch das "grausame" und "dumpfe" Handeln des Angeklagten gegeben, sagte Rechtsanwalt Axel Hodok.Richter Horst Barteldes wies die Vorwürfe des Nebenklagevertreters zurück.Nach bisheriger Aktenlage sei eine Anklage wegen erpresserischen Menschenraubs mit Todesfolge, nicht aber wegen Mordes gerechtfertigt, sagte er.Die beiden Angeklagten Sergej Serow und Wjatscheslaw Orlowsind hatten gestanden, den Gastwirtssohn aus Geltow bei Potsdam im September 1997 verschleppt und in einem Erdloch versteckt zu haben.Dort erstickte der 20jährige.Die Verteidigung vertritt die Auffassung, daß der Tod Hintzes ein Unfall war.

Auch wenn die russischen Entführer den Tod Hintzes nicht gewollt hätten, hätten sie ihn doch hingenommen, sagte Anwalt Hodok.Serow habe zudem zugegeben, er sei "zum Töten ausgebildet worden".Die von den Entführern konstruierte Belüftungsanlage, durch die Hintze in dem Erdloch mit Sauerstoff versorgt werden sollte, habe nur eine "Alibifunktion" erfüllt.In einem zweiten Antrag forderten die Nebenkläger die Entlassung der beiden Dolmetscher, denen sie Befangenheit vorwarfen.Ihre "unzulängliche Übersetzungsleistung" habe zu Mißverständnissen zwischen Serow und dem Richter geführt.Einige Fragen des Gerichts seien sogar "wiederholt falsch" übersetzt worden.Die Nebenklage beantragte, die Befragung der Beschuldigten mit neuen Übersetzern neu zu beginnen.

Wie das Hamburger Nachrichtenmagazin "Stern" berichtet, wurde Matthias Hintze möglicherweise verschleppt, weil sein Vater bei den Entführern 20 000 Mark Schulden aus illegalen Geschäften hatte.Hintzes Vater habe nach Aussage der Entführer einen Schuldschein ausgeschrieben, schreibt der "Stern" in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe.Serow will den Schein im Keller eines Berliner Mietshauses versteckt haben.Hintzes Vater Gerhard hatte am Rande des Prozeßauftaktes Geschäfte mit den Angeklagten bestritten.Serow hatte hingegen ausgesagt, Orlow habe mit Hintze Geschäfte gemacht, bei denen es um Alkohol und Zigaretten gegangen sei.Laut "Stern" behaupten die Russen, sich wiederholt mit dem Gastwirt Gerhard Hintze getroffen zu haben, um die Schulden einzutreiben.

Nachdem dieser im August jeden weiteren Kontakt abgelehnt habe, hätten Serow und Orlow beschlossen, ihn zu entführen.Weil der Gastwirt am 14.September 1997 nicht greifbar war, hätten sie dessen Sohn gekidnappt.Serow behauptet nach Angaben des "Stern", daß von dem Gastwirtssohn der Vorschlag gekommen sei, nicht nur 20000 Mark, sondern eine Million Mark zu fordern.

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