Neißeufer : Neue Grenzbrücken nach Polen im Bau

Nach Jahren der Stagnation entstehen am Neißeufer neue Brücken zwischen Deutschland und Polen. Dadurch können lange Umwege vermieden werden und die Radwegenetze beider Länder näher zusammenrücken.

Guben/Zelz - Am Neißeufer von Guben laufen Abrissarbeiten. Hier nahe am Stadtzentrum, wo einst ein Werk der "Gubener Wolle" stand, sollen die Neiße-Terrassen entstehen. "Die Stadt erhält damit wieder einen direkten Zugang zum Fluss", sagt Rathaussprecherin Gudrun Wendler. Die Krönung wird aber eine 60 Meter lange Fußgängerbrücke hinüber zu der in der Neiße gelegenen Theaterinsel sein, die seit 1945 zum polnischen Gubin gehört. Der Bau des 656.000 Euro teuren und zu 75 Prozent von der EU geförderten Viadukts soll voraussichtlich im April beginnen und im Herbst vollendet sein, sagt Wendler.

Es wäre die erste Grenzbrücke an der brandenburgisch-polnischen Grenze nach Jahren der Stagnation. Zuletzt war 2002 nördlich von Forst ein Übergang eingeweiht worden. Jetzt nach fünf Jahren Pause könnte es sogar Schlag auf Schlag gehen. Denn nicht nur in Guben kann nach dem diplomatischen Notenwechsel zwischen Berlin und Warschau gebaut werden. Ende 2006 wurde nach Angaben des Auswärtigen Amts auch der lange erwartete Notenaustausch für die erste deutsch-polnische Fährverbindung seit 1945 vollzogen: Die Fähre soll Fußgänger, Radfahrer und Pkw vom Oderbruch-Ort Güstebieser Loose über die Oder hinüber ins polnische Gozdowice bringen und damit lange Umwege über die Grenzübergänge Hohenwutzen oder Küstrin ersparen.

Übergänge für Autos, Fußgänger und Radfahrer

Bei zwei weiteren Grenzbrücken steht der diplomatische Notenaustausch als Voraussetzung für den Bau bevor, müssen noch Formalitäten zwischen Auswärtigem Amt und Polens Außenministerium abgestimmt werden. Das betreffe einen Straßenübergang von Coschen nördlich von Guben ins polnische Zytowan sowie eine Fußgänger- und Radbrücke von Zelz südlich des Autobahnübergangs Forst nach Siedlec, sagt Brandenburgs Europa-Staatssekretär Gerd Harms, der auch Co-Vorsitzender des Deutsch-Polnischen Regierungsausschusses für grenznahe Zusammenarbeit ist.

Die Kreisverwaltung von Spree-Neiße hat von den polnischen Partnern bereits erfahren, dass Premierminister Jaroslaw Kaczynski die diplomatische Note zur Einrichtung des Übergangs Zelz-Siedlec unterzeichnet hat. "Alle behördlichen Hindernisse zum Bau dieser Brücke sind damit beseitigt", freut sich Landrat Dieter Friese (SPD). In den nächsten Tagen solle der Bau europaweit ausgeschrieben werden. Geplant sei eine 91 Meter lange Stahlbetonbrücke für Fußgänger und Radfahrer, die bei Bedarf auch durch Rettungsfahrzeuge genutzt werden kann.

Brücken verbinden Radwegenetze Deutschlands und Polen

Die Baukosten belaufen sich auf 1,8 Millionen Euro, davon kommen 1,3 Millionen von der EU, 375.000 vom Land und 125.000 Euro vom Landkreis, sagt Friese. "Die Finanzierung steht", sagt er. Schon im Frühjahr solle begonnen werden, die Fertigstellung ist für das erste Halbjahr 2008 geplant. Die Brücke werde dann die Fahrradwege an der Neiße und im Spreewald mit dem polnischen Radwegenetz verbinden, sagt der Landrat.

Auffällig ist, dass es sich bei allen neuen Projekten um kleine Übergänge abseits der großen Verkehrswege handelt. Das wird nach Angaben von Experten beider Seiten auch zukünftig so sein, denn es sollen vor allem Lücken für den regionalen und touristischen Verkehr geschlossen werden. Neue Übergänge an Fernstraßen sind dagegen nur noch einzelne geplant. Der Bundesverkehrswegeplan führt im "vordringlichen Bedarf" lediglich Grenzbrücken nördlich von Schwedt sowie zwischen Frankfurt und Eisenhüttenstadt an.

In Guben räumt man ein, dass die künftige Fußgängerbrücke nicht weit entfernt von der bestehenden Stadtbrücke stehen wird. Dennoch werde das neue Viadukt eine besondere Bedeutung haben, denn sie werde für Spaziergänger eine Verbindung zu jener idyllisch gelegenen Insel schaffen, auf der vor 1945 das Theater gestanden hatte. (tso/ddp)

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