Neonazi-Kameradschaften : Verfassungsschutz glaubt nicht an Selbstauflösung

Der Brandenburger Verfassungsschutz hält die Selbstauflösungs-Erklärungen rechtsextremer Kameradschaften für Augenwischerei. Die neonazistischen Strukturen bestünden fort, ihre Aktivitäten gingen nicht zurück.

Berlin - "Die Auflösungserklärungen sind für die Öffentlichkeit gedacht, der alte Gruppenzusammenhalt aber bleibt bestehen", sagte die Brandenburger Verfassungsschutzpräsidentin Winfriede Schreiber der "Berliner Morgenpost". "Zum einen sind diese Scheinauflösungen ein Reflex auf Verbote anderer Kameradschaften und Vereine, zum anderen wurden Internetseiten der Neonazis von Hackern ausspioniert und lahm gelegt", sagte Schreiber dem Blatt. Aus Angst davor hätten Neonazis weitere Seiten eigenständig aus dem Netz genommen. Doch Kontakte innerhalb der Szene würden weiterhin intensiv gepflegt. Privat reise man weiter gemeinsam zu Aufmärschen, Konzerten, Festen oder verteile Flugblätter oder CDs.

NPD kein Auffangbecken für Ex-Kameraden

Die rechtsextremistische NPD hat nach Angaben der Verfassungsschutzpräsidentin vom vorgeblichen Kameradschaftssterben nicht profitiert. "Es gab keine Abwanderung. Nur ganz vereinzelt sind Personen aus den Kameradschaften in die Partei eingetreten", sagte sie dem Blatt. Die NPD in Brandenburg mit ihren rund 220 Mitgliedern sei nicht in der Lage, logistische Leistungen wie beispielsweise Flugblatt-Aktionen flächendeckend durchzuführen.

Im November hatte sich der "Märkische Heimatschutz" offiziell aufgelöst. Zuvor stellten die "Gesinnungsgemeinschaft Südostbrandenburg", der "Sturm Cottbus" sowie die "Lausitzer Front Guben" ihre Arbeit ein. Im Dezember soll auch die "Interessengemeinschaft Sturm Oranienburg" ihr Ende gemeldet haben. (tso/ddp)

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