Der Tagesspiegel : Neue Bäume für die Alleen

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Potsdam - Brandenburg geht neuerdings behutsamer mit seinen Alleen um, die das Landschaftsbild seit dem 18. Jahrhundert mit prägen: Im Jahr 2005 wurden erstmals mehr Straßenbäume gepflanzt als gefällt, teilte Verkehrsstaatssekretär Reinhold Dellmann am Dienstag mit. 6344 gepflanzten Alleebäumen standen 4812 gefällte Bäume gegenüber, die meist für Fahrbahnverbreiterungen oder aus Sicherheitsgründen weichen mussten. Damit hielt die Regierung 2005 erstmals den von ihr selbst beschlossenen „Alleen–Erlass“ ein, nach der für jeden gefällten Baum ein neuer gepflanzt werden muss. Die Gesamtbilanz ist allerdings noch negativ: Von 2001 bis 2005 waren trotz „Alleen–Erlass“ 23 800 Alleebäume der Motorsäge zum Opfer gefallen, aber nur 19 620 wurden nachgepflanzt. Verkehrsminister Frank Szymanski hatte deshalb verstärkte Pflanzungen angeordnet. Dellmann versicherte, dass der Alleenschutz auf der politischen Agenda des Ministeriums oben stehe.

Die Trendwende wird auch von der Schutzgemeinschaft Brandenburger Alleen begrüßt, die in den vergangenen Jahren die „Kahlschlagpolitik“ der Straßenbaubehörden kritisiert und vor dem Aussterben der Alleen gewarnt hatte. „Allerdings bleibt noch viel zu tun, um die Versäumnisse der letzten Jahre aufzuholen“, sagte Sprecher Wolfgang Ewert. Brandenburg ist das deutsche Bundesland mit den meisten Alleen. Ihre Gesamtlänge wird auf 8000 bis 12 000 Kilometer geschätzt. Sie waren im 18. Jahrhundert von Friedrich Wilhelm I. angelegt worden.

Doch nicht nur durch Fällung droht Gefahr. Mit Sorgen sehen Alleenschützer, dass infolge des kalten und langen Winters im Vergleich zu Vorjahren doppelt so viel Tausalz auf den Alleen gestreut wurde, insgesamt rund 80 000 Tonnen. Damit seien weitere Schäden an Alleebäumen programmiert. thm

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