Der Tagesspiegel : Neue Bornimer Feldflur: "Ein göttlicher Fleck Erde"

Claus-Dieter Steyer

Kein Zaun, kein Tor, kein Schlüssel, dafür ein rot-weißes Band zwischen zwei Bäumen - schließlich sollte eine Landschaft eingeweiht werden. Vier Jahre hat der italienische Architekt Pirzio Biroli an der Wiederherstellung der Bornimer Feldflur gearbeitet, gestern wurden die 800 Hektar nördlich von Potsdam eingeweiht: Zu Musik von Mozart schritten dann Landwirtschaftsminister Wolfgang Birthler und Oberbürgermeister Matthias Platzeck zur Tat, zerschnitten das Band und eröffneten damit "das göttliche Fleckchen Erde", wie Platzeck sagte.

Der Pathos erklärt sich aus der Geschichte der Landschaft: Gartendirektor Peter Joseph Lenne hatte 1833 seinem König Friedrich Wilhelm IV. einen Plan "zur Verschönerung der Insel Potsdam" vorgelegt. In der unaufgeräumten Umgebung der Schlösser und Parks wollte er Alleen und Hecken zwischen den neuen Schlägen anlegen. Sie sollten Sandverwehungen verhindern, Morgentau auffangen und so die Bodenfruchtbarkeit verstärken. "Schönes musste auch nützlich sein", erklärte gestern der Gartendirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Professor Michael Seiler. Das habe Lenne aus der Antike gelernt. Wenn es damals schon den Begriff ökologisch gegeben hätte, so Professor Seiler, hätte Lenne ihn sicher benutzt. "Er sprach stattdessen von Ästhetik und überzeugte damit den König."

Nach dem Krieg war der Landstrich weitgehend zerstört, Wege, Hecken, Bäume und kleine Wäldchen wichen großen LPG-Feldern, Rinderställen, Baracken und Betonstraßen. Das von Schinkelschüler Friedrich-Ludwig Persius im Stil einer italienischen Villa mit einem hohen Turm entworfene Gut Bornim brannte nach einer Siegesfeier der Roten Armee fast vollständig ab.

Der Ausflügler findet heute 18 Kilometer Rad-, Wander- und Kremserwege vor. Bund, Land und EU investierten rund 20 Millionen Mark sowohl für den historischen Wiederaufbau als auch für die so genannte Flurneuordnung. Ursprünglich war die Bornimsche Feldflur als Teil der Buga vorgesehen. Kühe sollten hier mit Kameras umherlaufen, um den Menschen die Welt aus der Perspektive der Wiederkäuer zu zeigen. Doch das war zu teuer. Oberbürgermeister Platzeck freute sich dennoch über einen neuen "Schatz". Nun komme auch im Norden der Stadt niemand an seinem Lieblingsspruch vorbei: "Berlin ist bedeutsam, Potsdam ist schön."

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