Der Tagesspiegel : Neue Einbruchserie in Falkensee – jetzt zeigt die Polizei Flagge Uniformierte und Zivilbeamte laufen Streife.

Auch die Nachbarn haben sich zusammengeschlossen

Dorothea Flechsig

Falkensee. Thoralf Palm steht unter Druck. Seit Ende vergangenen Jahres überzieht eine neue Serie von Einbruchdiebstählen Falkensee, Schönwalde und Seeburg am westlichen Stadtrand Berlins. Hier ist Kriminalhauptkommissar Palm der Kripo-Chef. Die registrierten Fälle haben sich allein in den vergangenen zwei Monaten verdreifacht: 122 Einbrüche wurden vom 1. Dezember bis Ende Februar gemeldet. „Wir nehmen an, dass mehrere Banden im Havelland auf Tour sind“, sagt der Kripochef. Zwar konnte, wie berichtet, im Herbst mehreren Gruppen das Handwerk gelegt werden – doch dauerhaft war dieser Erfolg nicht. Gefasst wurden in den vergangenen drei Monaten zwei 16-Jährige aus der Region. Den Jugendlichen sind zwölf Einbrüche nachzuweisen. „Aber das sind kleine Fische, Gelegenheitsdiebe. Keine Profis“, sagt die Jugendgerichtshelferin Kathrina Böttcher, die die beiden schon kennt.

Den richtigen Serien-Einbrechern will die Polizei nun auf die Schliche kommen. Seit zwei Wochen sehen die Gartenstadtbewohner so viel grün-weiße Autos wie noch nie. Stundenlang stehen Beamten in dunklen Straßenecken oder fahren spähend umher. „Mit einer starken Polizeipräsenz wollen wir Flagge zeigen“, sagt Palm. Besonders bevorzugt bei den Dieben sind Einfamilienhäuser nah an Hauptstraßen, die an Waldrand, Wiese oder Feld grenzen.

Doch auch zivile Kripobeamte lauern den Gangstern neuerdings auf, fahren unauffällig durch die Straßen des Neubaugebiets Seeburg. Hier zeigen viele Bewohner stolz, was sie besitzen. Dicke Autos, Wertvolles hinter großen Fenstern. „Wir haben den Eindruck, dass die Diebe die Gegend richtig ausbaldowern“, sagt Palm. Bei der Familie W. aus Falkensee etwa wurde zwischen 18 Uhr und 18.20 Uhr eingebrochen. Erst kurz zuvor waren Frau W. und ihr Sohn mit dem Auto weggefahren. „Das müssen mehrere Profis gewesen sein. Die haben im ganzen Haus schnell und geschickt gearbeitet“, sagt der Familienvater Alexander W. Bei ihm und im Nachbarhaus haben die Einbrecher in kürzester Zeit mit Brecheisen die Terrassentüren aufgehebelt und alles leichttransportierbare Diebesgut rausgetragen. Auch der DVD-Player wurde sorgsam entkabelt und ausgebaut.

Regine Jereczek glaubt ebenfalls, dass sich die Diebe genau ausrechnen, wie viel Zeit ihnen bleibt. Sie ist Mitglied in der Bürgerinitiative für Sicherheit in Seeburg. „Vor 14 Tagen wurde hier wieder in mehrere Häuser eingebrochen, obwohl die Polizei in der Nähe war. Deshalb sei das Modell einer „Nachbarschaftswache“ nach US-Vorbild Erfolg versprechender: Durch regelmäßige Treffen lernen sich die Nachbarn besser kennen, in der Urlaubszeit werden die Autos vor den Häusern der Daheimgebliebenen geparkt, mit Hunden spazieren die Leute durch die Straßen, Nachbarn machen in leeren Häusern das Licht an und Unbekannte werden im Wohngebiet angesprochen.

Doch diese Selbsthilfe sehen die Polizisten nicht so gerne. Es bestehe die Gefahr, dass gegenüber Fremden Grenzen des Anstandes überschritten würden, dass sich manche Nachbarschaftswächter als Möchtegern-Polizisten aufspielen. Und bleiben bei ihren eigenen Methoden: Sie überprüfen auffällige Autos wie etwa Transporter, die in Seitenstraßen geparkt sind. Menschen, die Sachen und Möbel verladen, werden von den Zivilfahndern der „00-Terrasse-Einsatzgruppe“ kontrolliert. Einzelheiten ihrer Strategien verraten die Polizisten natürlich nicht. „Wir müssen unsere Umwelt mit dem Auge des Ganoven betrachten“, sagt ein Fahnder.

Doch die aufwendige Arbeitsweise ist auch unter Polizisten umstritten. Manche sprechen trotz partieller Erfolge von einer Verdrängung: In den bewachten Gebieten geben die Ganoven Ruhe und weichen in andere Siedlungen aus – wohlwissend, dass der hohe Aufwand der Polizei nicht über Monate oder Jahre durchzustehen ist. Für eine flächendeckende Überwachung sind die Wohngebiete einfach zu weitläufig – in Falkensee wohnen knapp 40 000 Menschen auf 43,3 Quadratkilometern. Doch die hohe Zahl der Einbrüche und die noch geringe Aufklärungsquote nagen „schon gehörig an der Polizistenehre“, gibt Kripochef Palm zu.

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