Der Tagesspiegel : Neue Energie für den Osten

Erste Solarfabrik in Frankfurt (Oder) eröffnet

Claus-Dieter Steyer

Frankfurt (Oder) - Akkus von Handys, Laptops, Radios oder anderen elektrischen Geräten können jetzt direkt mit Sonnenenergie aufgeladen werden. Eine Erfindung aus der gestern in Frankfurt eröffneten Solarfabrik „Odersun AG“ macht es möglich. Die zunächst 80 Mitarbeiter stellen ab sofort im Vierschichtbetrieb so dünne und flexible Kupferschichtmodule her, dass diese sich auch als Auflagen für Umhängetaschen eignen. Im Innern der Tasche befindet sich eine kleine Batterie, die bei Tageslicht aufgeladen wird. Diese speist dann technische Geräte mit Strom. „Sie erhalten damit eine mobile Steckdose“, sagte Firmenchef Ramin Lavae Mokhtarie.

Der gebürtige Iraner, der schon seit vielen Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, hätte dem an der Eröffnung teilnehmenden Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und dem Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) gern eine Tasche als Geschenk mitgegeben. Doch alle Modelle befinden sich derzeit im Testbetrieb. Noch in diesem Jahr werden die neuen Produkte im Handel erhältlich sein, versicherte Mokhtarie. Die Technologie ist vor 13 Jahren in einem Frankfurter Institut entwickelt worden, das aus dem ehemaligen und nach der Wende geschlossenen Halbleiterwerk hervorging. Dank der Förderung von erneuerbaren Energien durch die Bundesregierung und die EU lohnt sich nun die Produktion.

Bislang investierte die in Frankfurt gegründete Firma 8,5 Millionen Euro in ihre Produktionsstätte, der bald weitere Fabriken folgen sollen. Das Land Brandenburg steuerte 3,5 Millionen Euro Fördermittel bei. Ein Teil des restlichen Geldes stammt von der britischen Firma Doughty Hanson Technology Ventures sowie vom chinesischen Technologieunternehmen Advanced Materials R&D Strategy. Die in Peking beheimateten Investoren beteiligen sich mit drei Millionen Euro an der Odersun AG. „Wir wollen für und in China produzieren“, erklärte Firmenchef Mokhtarie diese Zusammenarbeit.

Bundesminister Tiefensee nannte die gestrige Werkseröffnung eine „atemberaubende Erfolgsgeschichte“. Sie zeige, dass sich die ostdeutschen Bundesländer auf neue Technologien konzentrieren müssen. Hier sei der Kuchen in Deutschland noch nicht so verteilt wie in anderen Branchen. Da der Odersun AG mit dem amerikanischen First-Solar-Werk und dem Hamburger Unternehmen Conergy in diesem Jahr noch zwei weitere große Solarfabriken folgen sollen, sprach Ministerpräsident Platzeck von einem „Innovationslabor für erneuerbare Energien“. Die drei Betriebe wollen zunächst rund 1500 Jobs in Frankfurt schaffen. Platzeck mochte angesichts so mancher Enttäuschung über einst versprochene Investitionen gerade im Osten aber nicht von Euphorie sprechen. Anlass zu großer Freude bot die gestrige Eröffnungsfeier am Stadtrand von Frankfurt aber durchaus.

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