Neue JVA : In der Zelle bleibt das Wasser kalt

118 Millionen Euro soll Berlins neues Gefängnis in Großbeeren kosten. 2011 will die Justizverwaltung den Bau eröffnen.

Jörn Hasselmann
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Geplante JVA Heidenring. Bringt der Neubau Entlastung für Berlins Haftanstalten? -Grafik: ddp

Nach österreichischen Plänen baut Berlin in Brandenburg ein neues Gefängnis. Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) stellte gestern das Ergebnis des Bauwettbewerbes für das 118-Millionen-Euro- Projekt vor. Sieger ist das Architekturbüro Hohensinn aus Graz, das im eigenen Land bereits mehrere Gefängnisse entworfen hat. Einen Termin für den Baubeginn gibt es noch nicht, aber einen für die Fertigstellung: „Ende 2011 werden wir die Justizvollzugsanstalt Heidering beziehen“, sagte von der Aue. Vorsichtiger ist die Bauverwaltung, sie visiert das „erste Quartal 2012“ an. Gebaut wird auf ehemaligen Rieselfeldern, zwei Kilometer entfernt vom Bahnhof Großbeeren. Die 20 Hektar gehören dem Land Berlin.

Der Neubau ist für 648 Männer im geschlossenen Vollzug vorgesehen. Laut von der Aue sollen dort vor allem Häftlinge mit Urteilen bis zu vier Jahren ihre Strafe absitzen, also keine Schwerverbrecher mit lebenslänglicher Gefängnisstrafe oder gar Sicherungsverwahrung. Die Häftlinge sollen von 301 Justizangestellten betreut werden.

Gebaut wird die neue JVA vor allem, um die Überbelegung in Berlin zu beenden. Vor allem Tegel und Moabit waren im vergangenen Jahr häufig zu zehn bis 20 Prozent überfüllt. Derzeit ist die Überbelegung so niedrig wie lange nicht – eine Folge der Weihnachtsamnestie. In Tegel sind es drei Prozent, in Moabit sieben Prozent und bei den Frauen acht Prozent. In der Jugendstrafanstalt sind sogar 16 Zellen frei. Hier sei es gelungen, die Überbelegung durch Verlegung in Brandenburger Gefängnisse zu verringern, sagte von der Aue. Vom Tisch sind aber Pläne, bis zur Fertigstellung von Großbeeren auch Erwachsene in anderen Bundesländern unterzubringen.

Etwa 75 Prozent der Inhaftierten in Großbeeren sollen einen Arbeitsplatz bekommen, deutlich mehr als in Tegel. Derzeit sucht die Verwaltung Privatfirmen, die im Gefängnis mit Häftlingen als billigen Arbeitskräften produzieren wollen. Drei große Hallen entstehen neben den Zellentrakten, die von Unternehmen mit Maschinen bestückt werden können. Zudem wird es 70 Schulplätze geben, sodass im Prinzip alle Gefangenen beschäftigt werden könnten. Das diene der Resozialisierung, hieß es – und dürfte die Gefangenen freuen. Laut einer Umfrage in der jüngsten Ausgabe der Gefangenenzeitschrift „Lichtblick“ war eine bessere Resozialisierung der am häufigsten geäußerte Wunsch.

„Zwei Sicherheitslinien“ sollen die Männer am Weglaufen hindern. Die innere Linie solle mit Bewegungsmeldern ausgestattet werden. Ob die äußere als Zaun oder Mauer gebaut wird, steht noch nicht fest. Neu ist die „Logistikzentrale“ für produzierte Waren und für den Müll, der die Anstalt verlässt. Alles wird in der Anstalt so lange gelagert, bis nach der abendlichen Zählung feststeht, dass kein Gefangener fehlt. In der Vergangenheit waren mehrfach Gefangene entkommen, indem sie sich in Lastwagen versteckt hatten.

Der Gefängnisneubau wird seit Ende der 90er Jahre diskutiert. Aus Geldmangel wurden die Pläne aber immer wieder verschoben. 2001 war man noch von 80 Millionen Euro Kosten ausgegangen. Obwohl durch moderne Überwachungstechnik weniger Personal erforderlich ist, sollen die laufenden Kosten nur wenig sinken, sagte die Justizsenatorin gestern. Derzeit gehe man von durchschnittlich 80 Euro pro Platz und Tag aus. Die Zellen sind zehn Quadratmeter groß. Anders als in den Neubauten in Tegel gibt es hier kein Warmwasser mehr in den Zellen; das ist billiger. Insgesamt werde das Gefängnis „energiebewusst“ gebaut, sagte von der Aue. Die Zellen erhalten viel Tageslicht. Allerdings verlängert sich die Anfahrt für Besucher beträchtlich. Bis zum Bahnhof Großbeeren sind es fast zwei Kilometer Fußweg. Ob es einen Bus geben wird, steht nicht fest.

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