Neue Rolle für Filmemacher : Andreas Dresen soll Verfassungsrichter werden

Der bekannte Regisseur Andreas Dresen soll Verfassungsrichter in Brandenburg werden. Vorgeschlagen hat ihn die Linke-Fraktion, die bei dieser Personalie mit breiter Zustimmung rechnen kann.

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Andreas Dresen wurde Filmen wie "Wolke 9" oder "Herr Wichmann von der CDU" bekannt.
Andreas Dresen wurde Filmen wie "Wolke 9" oder "Herr Wichmann von der CDU" bekannt.Foto: dapd

Er ist der prominenteste Filmemacher Deutschlands. Seine Filme wie „Wolke 9“, „Halt auf freier Strecke“ oder „Herr Wichmann von der CDU“ räumten Preise ab. Und jetzt soll Regisseur Andreas Dresen, 49 Jahre, Verfassungsrichter in Brandenburg werden. Und zwar auf Vorschlag der Linke-Fraktion, die bei dieser Personalie mit breiter Zustimmung im Landtag rechnen kann. Er habe alle Fraktionschefs „vorab informiert, auch die der Opposition wie es guter parlamentarischer Brauch ist“, sagt Linke-Fraktionschef Christian Görke, der die Personalie eingefädelt hat. „Alle Reaktionen waren positiv.“ Dresen sei eine Persönlichkeit, die im Leben stehe, „Verfassung und Verfassungsrealität einschätzen kann“. Mit seiner „Fähigkeit, im Bekannten das Unbekannte“ zu entdecken, könne er dazu beitragen, dass das Verfassungsgericht nahe an der Lebenswirklichkeit bleibe.

Die Linke war unter Erfolgsdruck. Sie hat das Vorschlagsrecht für den vakanten Posten. Drei der neun Richter am höchsten Gericht dürfen Laien sein. Doch der erste Versuch, die Schriftstellerin Julia Schoch durchzusetzen, war an Bedenken anderer Fraktionen gescheitert. Das ist bei Dresen nicht zu befürchten, zumal ihn viele Parlamentarier aller Lager von den Dreharbeiten für seine beiden Dokumentarfilme über den CDU-Landtagsabgeordneten Henryk Wichmann – der aktuelle Streifen „Herr Wichmann aus der dritten Reihe“ läuft gerade – kennen- und schätzen gelernt haben. Erst kürzlich war Dresen von Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) mit dem höchsten Landesorden ausgezeichnet worden. Dennoch hatte Dresen um eine mehrwöchige Bedenkzeit gebeten, nicht aus politischen Vorbehalten gegenüber den Linken, sondern weil er aus Prinzip keine halben Sachen machen will, es gründlich abwägen wollte, wie er jetzt erklärte. Dass er Ja sagte, hat mit seiner Neugier, aber auch mit seinen Erfahrungen bei den Wichmann-Dreharbeiten zu tun. Da habe er häufiger darüber nachgedacht, wie eine Demokratie funktioniert, den Beruf des Politiker schätzen gelernt. Als Verfassungsrichter darf Andreas Dresen künftig auch über politische Entscheidungen urteilen.

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