Der Tagesspiegel : Neuer Chef soll Templiner Therme über Wasser halten

Bäderanlage machte im Vorjahr einen Verlust von mehr als einer halben Million Euro. Jetzt sucht die Stadt einen starken Partner

Claus-Dieter Steyer

Templin. Brandenburgs Traum vom Land der Thermal- und Spaßbäder hat einen ersten Dämpfer erfahren. Die Naturtherme Templin steckt in wirtschaftlichen Problemen. Wie erst jetzt bekannt wurde, musste sie im vergangenen Jahr Verluste von 585 000 Euro hinnehmen. Die Bad, das zu den beliebtesten Ausflugszielen der Berliner gehört, wird allein von der nur rund 10 000 Einwohner zählenden Kleinstadt Templin betrieben. Bereits zum 1. April waren die Eintrittspreise teilweise erheblich erhöht worden. Weitere Auswirkungen auf die Besucher hat die finanzielle Schieflage bislang noch nicht.

In aller Stille war vor einigen Tagen der bisherige Geschäftsführer der Naturtherme, Uwe Mohr, abberufen worden. Am gestrigen Vormittag stand sein Name noch auf der Internetseite. Erst einige Stunden nach der Anfrage des Tagesspiegels verschwanden die Namen der gesamten Geschäftsleitung von der Web-Seite. Neuer Chef ist Bernd Zimdars, er leitete vorher das große Ferienhotel Templin. Mohr ist auch Vorsitzender des Brandenburgischen Kurorte- und Bäderverbandes.

„Die Kosten für Frisch- und Abwasser und die Energie sind im vergangenen Jahr drastisch gestiegen“, sagte die Pressesprecherin der Therme, Daniela Höpfner. „Das konnten wir durch die Einnahmen nicht mehr decken.“ An den Besucherzahlen habe der große Verlust nicht gelegen. Im Vorjahr tummelten sich im Schnitt 900 Menschen täglich in dem warmen und heilsamen Wasser. In letzter Zeit sei die Nachfrage aber zurückgegangen. „Das liegt an den Sperrungen von zwei Straßen aus Richtung Berlin“, meinte Höpfner. Von einer „äußerst ernsten Lage“ spricht Templins stellvertretende Bürgermeisterin Ursula Heise. Die Stadt habe wie die meisten anderen Kommunen mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Da könnten auf Dauer die Verluste nicht getragen werden. „Wir suchen deshalb nach einem starken Partner“, erklärte Heise. Die am 11.11.2000 eröffnete Anlage kostete 36 Millionen Euro, 27 Millionen Euro zahlten Bund, Land und EU als Fördermittel. Hier arbeiten 77 Angestellte, darunter sieben Azubis.

Vor Templin war vor zwei Jahren bereits das Thermalbad in Bad Saarow in die roten Zahlen gerutscht. „Das lag aber weniger am Bad selbst als an der Konstruktion unserer Kur- und Fremdenverkehrsgesellschaft“, sagte Geschäftsführer Axel Walter. „In sie wurde alles mögliche gepackt, von der Fahrgastschifffahrt bis zur Gastronomie. Jetzt konzentrieren wir uns auf das Bad und decken unsere Ausgaben durch die Einnahmen.“ Bad Saarow zählt ebenfalls im Schnitt 900 Besucher am Tag, aber sie geben mehr Geld in der Therme aus. „Wir versuchen nicht den Spagat zwischen Spaß- und Gesundheitsbad wie in Templin“, erklärt Walter. „Bei uns sollen sich die Menschen erholen. Wir bauten keine Rutschen, sondern vergrößerten den Sauna-Bereich.“ Die Besucher bleiben dadurch länger und steigern den Umsatz.

Ähnliche Erfahrungen machten die beiden anderen Thermalbäder in Belzig und in Bad Wilsnack. „Die Menschen wählen genauer als früher die Angebote aus“, meinte der Belziger Chef Jens Hackbart. „Wer sich erholen will, sucht sich ein reines Thermalbad aus.“ Nicht nur im Lärmpegel unterscheidet sich Templin von den drei Konkurrenten: Die Besucher sind hier auch wesentlich jünger.

Trotz der Auslastungsprobleme setzen weitere Orte auf die Anziehungskraft von Thermalbädern. In Bad Liebenwerda steht das „Wonnemar“ kurz vor seiner Eröffnung, in Burg ist heute Grundsteinlegung für die Spreewaldtherme mit Ministerpräsident Matthias Platzeck.

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