Der Tagesspiegel : Neuer Giftanschlag auf Bäume am Ufer des Groß Glienicker Sees

Wieder wurde von Unbekannten eine stinkende Brühe aus Dieselöl und Unkrautvernichtungsmittel ausgekippt. Kripo hat nur vage Spuren

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Groß Glienicke. Am Groß Glienicker See ist erneut Gift vergossen worden: Mitarbeiter des Umweltamtes PotsdamMittelmark entdeckten, wie erst jetzt bekannt wurde, bereits am Montag an der Seepromenade in Groß Glienicke neue Pfützen aus Unkrautvernichtungsmitteln und Dieselöl. Die stinkende Brühe war an die Wurzeln von vier Bäumen, darunter zwei etwa 30 Jahre alte Weiden, geschüttet worden.

Das Umweltamt ließ die verseuchte Erde abtragen und vernichten. Das Wasser des beliebten Badesees, der auch ein Berliner Ufer hat, sei nicht verunreinigt worden, sagte Bernd Rockstroh vom Umweltamt. Zu verdanken sei dies dem trockenen Wetter. Wenn es geregnet hätte, wäre das Gemisch aus Dieselöl und dem Unkrautvernichtungsmittel „Selest“ in den See gespült worden. Bereits Ende Juli hatten Unbekannte den giftigen Cocktail auf einer Länge von etwa 20 Metern an die Wurzeln von 20 Bäumen, hauptsächlich Erlen und Robinien, geschüttet. Die Bäume wurden anschließend gefällt und der See für rund eine Woche für Badegäste gesperrt.

An derselben Stelle schlugen der oder die Täter nun wieder zu. Jetzt sollen die Bäume allerdings stehen bleiben, sagte Rockstroh. Es sei aber etwa ein halber Kubikmeter vergiftetes Erdreich abgetragen worden. Die Mischung von Dieselöl und dem in der DDR bis 1985 verwendeten „Selest“ reagiere im Erdreich und setze Dioxine frei, sagte Rockstroh.

Wer hinter den Anschlägen steckt, ist für die Kripo bisher noch ein Rätsel. Man ermittle in alle Richtungen. Dass ein See-Anwohner möglicherweise gezielt gegen die Bäume vorgehe, weil sie ihm die Sicht auf den See verdecken, sei reine Spekulation, hieß es. Rockstroh hält es für wenig wahrscheinlich, dass Anwohner mit dem giftigen Cocktail die eigenen Kinder in Gefahr bringen. Das Bundesvermögensamt, dem das etwa 200 Quadratmeter große Grundstück direkt am See gehört, hat es mit einer Flatterleine abgesperrt. Das Betreten ist verboten.

Die Polizei hat möglicherweise einige vage Anhaltspunkte. Ob sie aber auf die Spur des Umweltvergifters führen, ist fraglich. Zeugen sagten gegenüber der Polizei, sie hätten am 29. Juli, dem Tag des ersten Giftanschlags, gegen 9 Uhr vormittags zwei Männer gesehen, die sich verdächtig verhielten. Ein etwa 35-Jähriger mit weißblondem, schulterlangem Haar habe auf einem verfallenen Steg gesessen, der zweite sei angeblich mit einem Boot auf dem See unterwegs gewesen. Er soll etwa 60 Jahre alt sein und eine Jeansjacke getragen haben.

Der Täter scheint aber in der DDR in der Forstwirtschaft beschäftigt gewesen zu sein. Denn dort wurde Rockstroh zufolge das Gemisch aus „Selest“ und Dieselöl ausschließlich verwendet. Es sei über den forstwirtschaftlichen Flächen versprüht worden, um Unkraut zu vernichten. Sechs Liter der Brühe reichen nach Angaben des Umweltamtes für einen Hektar aus. „Selest“ als Pulver sei dagegen unter anderem an Bahndämmen eingesetzt worden. Vermutlich hat der Täter irgendwo einen Kanister des 1985 verbotenen Unkrautvernichtungsmittels aufbewahrt. Die Anschläge vom 29. Juli und 18. August waren auch nicht ersten Versuche, die Bäume am Ufer zu vernichten. Bereits vor etwa einem Jahr sind nach Auskunft des Umweltamtes Baumstämme angebohrt worden. Ein oder mehrere Täter kippten in die Löcher eine giftige Flüssigkeit.

Festgestellt wurde dies aber erst jetzt, nachdem die Giftbrühe im Uferbereich ausgekippt worden war. Außerdem seien Rinden eingeritzt und dabei stark beschädigt worden.

Das Umweltamt rechnet damit, dass noch mindestens drei Bäume gefällt werden müssten. „Es war ein gezielter Angriff gegen die bis zu 15 Jahre alten Bäume“, sagte ein Mitarbeiter.weso

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