Der Tagesspiegel : Neuer Grenzübergang: Gubens Innenstadt soll entlastet werden

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Die Grenzstadt Guben atmet seit gestern Nachmittag buchstäblich auf. Denn Punkt 15 Uhr rollte das erste Auto über einen neuen Übergang außerhalb der Stadt ins benachbarte Gubinek. Nun hoffen die Einwohner auf eine Entlastung der innerstädtischen Brücke über die Neiße und auf eine bessere Luft im Zentrum. Denn bisher hatten die Abgase der oft stundenlang auf der Grenzabfertigung wartenden Pkw- und Lkw-Fahrer das Leben im Stadtgebiet belastet. Künftig können an dem neuen Übergang täglich 4600 Lastwagen und stündlich mehrere hundert Pkw kontrolliert werden. Bei der offiziellen Eröffnung wurde die Euphorie etwas gebremst, da für die Grenz- und Zollabfertigung ausreichend Personal erforderlich ist. Die polnischen Behörden reagierten auf eine entsprechende Nachfrage mit einem Schulterzucken.

Ohnehin wollte sich gestern die ganz große Freude über die neue Brücke zwischen den Nachbarländern nicht einstellen. Schon seit rund einem Jahr stehen die Abfertigungsanlagen am östlichen Neiße-Ufer zur Nutzung bereit. Doch zuerst erhielt der polnische Grenzschutz keine Möbel, und danach mangelte es noch an Computern. Auch jetzt läuft noch nicht alles optimal, denn die ersten Lastwagen können erst am 26. Juni die südlich von Guben gelegene Brücke ansteuern. Erst danach wird die Stadtbrücke für Lkw gesperrt. Außerdem fehlt auf deutscher Seite der Anbindung an das überregionale Straßennetz. Die schweren Lastwagen, die beispielsweise bei einer Überlastung des Übergangs in Frankfurt (Oder) nach Guben umgeleitet werden, müssen sich durch enge Dorfstraßen oder die Stadt Guben selbst quälen. "Polen ist auf diesem Gebiet schon weiter", sagte Ministerpräsident Manfred Stolpe. "Da klappt die Weiterfahrt nach Zielona Gora einwandfrei. Wir müssen auch auf unserer Seite den Bau von Umgehungsstraßen beschleunigen." Bisher war dafür allerdings erst der Zeitraum nach 2010 vorgesehen. Stolpe versprach gestern, sich für einen früheren Baubeginn einzusetzen.

An den Gesamtkosten des neuen Übergangs in Höhe von rund 65 Millionen Mark hat sich die Europäische Union zu rund einem Drittel beteiligt. Die 320 Meter lange Brücke über das an dieser Stelle erstaunlich tiefe Tal der schmalen Neiße verschlang rund vier Millionen Mark, die zu 83 Prozent aus dem Haushalt des Bundesverkehrsministeriums kamen. Am Rande der offiziellen Feier wurde bekannt, dass sich beide Länder auf den Neu- und Ausbau von Grenzübergängen in Forst, Hagenwerder, Krauschwitz, Görlitz, Gartz und Swinemünde geeinigt haben. Auf der Brandenburger Wunschliste stehen noch neue Oderbrücken in Schwedt und Aurith bei Eisenhüttenstadt.

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