Neuer Intendant : Opernmann Decker übernimmt Ruhr-Triennale

Willy Decker wird neuer Intendant der Ruhr-Triennale. Der Regisseur steht vor einer schwierigen Aufgabe: Die Gelder sprudeln nicht mehr so wie bisher und sein Vorgänger hat die Messlatte mit einem Besucherrekord hoch gelegt.

Willy Decker
Er hat's nicht leicht. Der Opernregisseur Willy Decker wird neuer Intendant der Ruhrtriennale. -Foto: dpa

Düsseldorf / BochumDecker übernehme das Amt für die Zeit von 2009 bis 2011, sagte der nordrhein-westfälische Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (CDU) nach der Aufsichtsratssitzung der Kultur Ruhr GmbH in Düsseldorf. Wenn sich der Regisseur in den nächsten Wochen an erste Konzepte für die Ruhr-Triennale 2009-2011 setzt, plant er für ein personell aus dem Rhythmus gekommenes Großfestival, dem der Hauptsponsor abhanden gekommen ist. Der scheidende Intendant Jürgen Flimm hat mit Rekordwerten bei der Besucherauslastung von 87 Prozent die Messlatte für den Nachfolger hoch gelegt. Und im Kulturhauptstadtjahr 2010 werden Aufmerksamkeit und Ansprüche im Ruhrgebiet besonders groß sein.

Kein Wunder, dass die Besetzung des Spitzenjobs durchaus schwer fiel: Frank Baumbauer von den Münchner Kammerspielen und Johan Simons, der nun nach München geht, hatten zuvor abgewunken, wie in Bochum zu hören ist.

Decker ist selbstbewusst

Eigentlich sollte die Wiener Schauspieldirektorin Marie Zimmermann das Festival übernehmen. Nachdem sie sich im Frühjahr das Leben genommen hatte, blieb angesichts der langen Vorlaufzeiten im Festivalbetrieb keine andere Möglichkeit als ein einjähriges "Interregnum": Das Festival läuft 2008 ohne Intendanten mit dem alten Team und Flimm als Berater im Hintergrund. Außerdem hat die Triennale nach dieser Saison mit der früheren RAG (heute: Evonik) ihren mit 600.000 Euro jährlich wichtigsten Geldgeber aus der Wirtschaft verloren. Das Unternehmen schränkt angesichts des bevorstehenden Börsenganges sein Kultursponsoring ein.

Der selbstbewusste Decker wird sich von solchen Problemen aber nicht abschrecken lassen. Wie sein Vorgänger Flimm ist er Kölner - Kollegen bei der Triennale rühmen seine offene und kommunikative Art. Der studierte Musiker (Violine und Gesang) und Honorarprofessor, der seit fast 30 Jahren Regie führt, kennt sein Geschäft sowie die Kollegen in Nordrhein-Westfalen und europaweit genau. Führungserfahrung in einem großen Haus hat der 57-Jährige mit Ausnahme seiner Zeit als Oberspielleiter der Oper Köln bis 1993 allerdings nicht.

Dafür hat er sich mit spektakulären Inszenierungen wie der "Traviata" bei den Salzburger Festspielen 2005 die für den Spitzenjob nötige unbestreitbare künstlerische Anerkennung verschafft. Dass er für seine Vorstellungen auch Ärger in Kauf nimmt, bewies Decker 1999, als er erstmals in der Geschichte Bayreuths ein Regieangebot ablehnte.

"Risiko ist Pflicht"

In der zu Ende gegangenen Triennale-Saison hat Decker mit seiner Regie der Oper "Le vin herbé" für Aufsehen und viel Beifall gesorgt. Den "Tristan und Isolde"-Stoff präsentierte er in der Duisburger Gebläsehalle vor einer runden Scheibe, die die Zuschauer-Tribüne in zwei Teile schnitt. Solche "Kreationen", innovative, formal kaum einzuordnende Inszenierungen, gehören seit dem ersten Triennale- Intendanten Gérard Mortier zum Pflichtprogramm des Festivals. "Risiko ist Pflicht", hatte Flimm in einem Abschiedsinterview vom Nachfolger gefordert - Decker wird der Mut dazu zugetraut.

Gleichzeitig ist das Festival aber auch ein Politikum: 2002 war es mit viel Landesgeld gegründet worden, um internationalen Glanz in die ausrangierten Fabriken Bochums, Duisburgs und Gelsenkirchens und ins ganze strukturschwache Ruhrgebiet zu bringen. Die Stadttheater ringsum sehen das naturgemäß mit gemischten Gefühlen. Und wenn die Steuerneinnahmen in Nordrhein-Westfalen künftig einmal weniger stark sprudeln als bisher, muss der neue Intendant von den Brettern, die die Welt bedeuten, zur Verteidigung seines 13-Millionen-Euro-Etats auf das glatte Parkett der Landespolitik. (mit dpa, ddp)