Neueröffnung : Agassi und Graf spielen wieder in Wimbledon

Regen war in Wimbledon der größte Gegenspieler, oft stand deswegen der Spielbetrieb tagelang still. Nach zwei Jahren Bauzeit und vielen Diskussionen eröffnet am Sonntag der neue Center Court - mit Dach. Tennisstars von einst wie Steffi Graf und Andre Agassi kurbeln schon jetzt mit ihrem Auftritt den Ticketverkauf an.

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In ehelicher Eintracht. Steffi Graf und Andre Agassi beim Eröffnungsspiel in Wimbledon.Foto: AFP

LondonKeine fünf Minuten dauerte es, da waren die Karten für die um 1200 Plätze auf 15.000 Sitzplätze ausgebaute Arena verkauft. Die Fans wollen am Sonntag dabei sein, wenn fünf Wochen vor Beginn des All England Championship neben Graf und Agassi Wimbledonsieger wie die Belgierin Kim Clijsters und der Brite Tim Henman den Heiligen Rasen unter dem neuen Schiebedach aus Glas einweihen. Sie bekommen ein gemischtes Doppel sowie zwei Einzel geboten.

Obwohl aus sportlicher Sicht viel für den Bau eines Daches sprach, hielten Traditionalisten diesen gravierenden Eingriff für undenkbar. Doch die regenbedingten Spielausfälle kosteten nicht nur Zeit und Nerven, sondern auch bares Geld. Auch das Fernsehen war es leid, mit seiner Programmplanung derart wetterabhängig zu sein.

Insgesamt acht Jahre wurde die Anlage an der Church Road umgebaut und saniert. Es begann mit dem Bau eines neuen kleinen Center Courts und findet nun einen möglicherweise vorläufigen Abschluss in der Eröffnung des 5200 Quadratmeter großen Daches, das knapp 16 Meter über dem Rasen angebracht ist und nur bei Regen geschlossen wird.

Dann allerdings dauert es noch eine halbe Stunde, bis sich das sensible Innenklima stabilisiert hat und die Matches fortgesetzt werden können. Das Dach einfach zu schließen, reicht nämlich nicht. Die Raumtemperatur muss 22 bis 26 Grad, die Luftfeuchtigkeit 45 bis 55 Prozent betragen. Sonst könnte es Probleme geben, wenn der Rasen zu feucht und damit rutschig würde.

Über die Kosten des umfangreichsten Umbaus in der Geschichte des 132-jährigen Turniers schweigt sich der All England Club aus. Englische Medien berichten von umgerechnet rund 111 Millionen Euro Baukosten.

Auf der Ruhmestafel in den Katakomben des Center Court stehen Steffi Graf und Andre Agassi im Jahr 1992 sogar gemeinsam. Für Agassi war es der einzige Triumph auf dem Heiligen Rasen - für seine Frau einer von insgesamt sieben. Das ist auch das Jahr, in dem sich das Paar näher kam. Es geschah beim obligatorischen Champions-Dinner. Dabei wollte Steffi am liebsten nicht daran teilnehmen, wie sie erzählte: "Ich bemühte mich so sehr, das abzusagen." Die Ausnahme-Tennisspielerin zermarterte sich damals nicht nur über ihr Abendkleid den Kopf, sondern auch über ihren Auftritt auf der Tanzfläche. "Ich übte vorher mit meinem Bruder, weil ich nie gelernt hatte, richtig zu tanzen. Das sah damals nicht schön aus." (sp/dpa)