Neuerscheinungen : Sachbücher im Herbst - ein Überblick

Drohene Klimakatastrophe und Renaissance des Glaubens: Diese Themen spielen bei den neuen Sachbüchern in diesem Herbst eine zentrale Rolle.

Thomas Oser[dpa]

Bei den Neuerscheinungen wird neben den Themen Klimakatastrophe und Renaissance des Glaubens auch der islamisch motivierte Terror und seine Vorgeschichte erneut diskutiert. Außerdem wirft die Präsidentenwahl in den USA im kommenden Jahr ihren Schatten voraus. Im Juni hat der schwarze, charismatische Senator Barack Obama in dem Band "Hoffnung wagen" seine liberalen und sozialen Ziele dargelegt. Ein Buch über seine innerparteilichen Konkurrentin bei den Demokraten erscheint im September: In "Hillary Rodham Clinton" zeichnen die beiden Pulitzerpreisträger Jeff Gerth und Don van Natta Jr. die politische Karriere der Senatorin aus New York akribisch nach - für ein Interview stand das Ehepaar Clinton den Autoren allerdings nicht zur Verfügung.

Der ehemalige demokratische US-Vizepräsident Al Gore hat selbst zur Feder gegriffen: In seinem Buch "Angriff auf die Vernunft" rechnet er mit der Politik George W. Bushs ab, gegen den er im Jahr 2000 die Wahlen nur knapp verlor. Dem jetzigen Präsidenten wirft er nicht nur Fehler in der Terrorbekämpfung und der Sozialpolitik vor, sondern er behauptet auch, dass dieser für die Demokratie eine Gefahr darstelle.

Im vergangenen Herbst hatte Gore mit "Eine unbequeme Wahrheit" bereits einen Bestseller über den Klimawandel geschrieben. Nun folgt ihm als einer unter vielen George Monbiot. Der englische Journalist gibt sich in dem Band "Hitze" ebenso kämpferisch wie analytisch: Ausgehend von einer Bestandsaufnahme fordert er eine drastische Senkung von Schadstoffen.

"Kulturgeschichte des Klimas"

Das Buch "Kulturgeschichte des Klimas" wirft einen Blick zurück. Der Historiker Wolfgang Behringer beschreibt das Wechselspiel zwischen Klima und Mensch von der Eiszeit bis zur globalen Erwärmung. Dagegen blicken die beiden Geographen Kirstin Dow und Thomas E. Downing im "Weltatlas des Klimawandels" vor allem nach vorn und zeigen in zahlreichen Karten und Grafiken die wahrscheinlichen Auswirkungen des Klimawandels auf.

Noch einen Schritt weiter geht Alan Weisman in seinem Buch "Die Welt ohne uns": Fantasievoll und ohne Ängste zu schüren, schildert der amerikanische Journalist, wie die Natur die von uns gemachte Welt nach dem Untergang der Menschheit innerhalb kurzer Zeit wieder fast ganz verschwinden lassen würde.

Sloterdijk über Judentum, Islam und Christentum

Mit Fragen, die über das Diesseits hinaus gehen, beschäftigt sich das zweite zentrale Thema des Herbstes: die Religion. Sein erstes, siebzehn Titel umfassendes Programm hat hierzu der zu Suhrkamp gehörende "Verlag der Weltreligionen" vorgelegt. Der Philosoph Peter Sloterdijk beschäftigt sich in seinem Essayband "Gottes Eifer" mit dem Judentum, Islam und Christentum und fordert eine friedliche Koexistenz der drei monotheistischen Religionen. Auch der Tübinger Theologe Karl-Josef Kuschel schlägt in seinem Buch "Juden - Christen - Muslime", das im Patmos-Verlag erscheint, diesen Weg ein.

Durch und durch religionskritisch geben sich dagegen zwei andere Autoren: Der englische Journalist Christopher Hitchens zeigt in seinem Buch "Der Herr ist kein Hirte" kompromisslos und polemisch auf, wie Religionen die Welt vergiften. Dieser These steht Richard Dawkins in seinem Buch "Der Gotteswahn" in nichts nach: Wie bereits in seinem ersten Bestseller "Das egoistische Gen" setzt der Oxforder Evolutionsbiologe ganz auf Rationalität und Diesseitigkeit.

Vorgeschichte des 11. September

Eine solche Haltung scheint angesichts religiös motivierten Terrors nahe zu liegen. Die Vorgeschichte des Anschlags vom 11. September 2001 entschlüsselt Lawrence Wright in seinem Buch "Der Tod wird euch finden", für das er in diesem Jahr den Pulitzer-Preis erhielt. Der amerikanische Journalist verfolgt nicht nur den Aufstieg der Al-Qaida-Führer, sondern beleuchtet auch die FBI-Terrorabwehr und den saudischen Geheimdienst.

Die Vorgeschichte vieler aktuellen Konflikte in der Welt deckt Jörg Friedrich in seinem Band "Nemesis" auf: Wie schon in seinem Bestseller "Der Brand" wählt der Historiker auch in seinem neuen Werk einen ungewöhnlichen Blickwinkel: Ihm zufolge hat der Westen mit seiner rücksichtslosen Machtpolitik in Asien während und nach dem Zweiten Weltkrieg den Keim für die heutigen Anfeindungen gelegt.

Wolfgang Behringer: Kulturgeschichte des Klimas, Verlag C.H. Beck, München, 288 S., Euro 22,90, ISBN-13: 978-3-4065-2866-8

Richard Dawkins: Der Gotteswahn, Ullstein Verlag, Berlin, 560 S., Euro 22,90, ISBN-13: 978-3-5500-8688-5

Kirstin Dow, Thomas E. Downing: Weltatlas des Klimawandels, Europäische Verlagsanstalt, Hamburg, 112 S., Euro 19,90, ISBN-13: 978-3-4345-0610-2

Jörg Friedrich: Nemesis, Propyläen Verl., Berlin, 500 S., Euro 24,90, ISBN-13: 978-3-5490-7338-4

Al Gore: Angriff auf die Vernunft, Riemann Verlag, München, 350 S., Euro 19,00, ISBN-13: 978-3-5705-0089-7

Jeff Gerth, Don van Natta Jr.: Hillary Rodham Clinton, Piper Verlag, München, 432 S., Euro 16,90, ISBN-13: 978-3-4920-5083

Christopher Hitchens: Der Herr ist kein Hirte, Karl Blessing Verlag, München, 320 S., Euro 17,95, ISBN-13: 978-3-8966-7355-8

Karl-Josef Kuschel: Juden - Christen - Muslime, Patmos Verlagshaus, Düsseldorf, 500 S., Euro 29,90, ISBN-13: 978-3-4917- 2500-3

George Monbiot:
Hitze, Riemann Verl., München, 350 S., Euro 19,00 ISBN-13: 978-3-5705-0082-8

Barack Obama: Hoffnung wagen, Riemann Verlag, München, 480 S., Euro 19,00 ISBN-13: 978-3-5705-0081-1

Peter Sloterdijk: Gottes Eifer, Verlag der Weltreligionen, Frankfurt/Main, 100 S., Euro 14,80, ISBN-13: 978-3-4587-1004-2

Alan Weisman: Die Welt ohne uns, Piper Verlag, München, 384 S., Euro 19,90, ISBN-13: 978-3-4920-5132-3

Lawrence Wright: Der Tod wird euch finden, Deutsche Verlags- Anstalt, München, 500 S., Euro 24,95, ISBN-13: 978-3-4210-4303-0