Neues Projekt : Caroline Link beendet Drehpause

Nach dem sie mit ihrem Film "Nirgendwo in Afrika" einen Oscar gewann, mit Angeboten aus Hollywood überhäuft wurde und sich unter Druck gesetzt fühlte, machte sie erst einmal Pause. Jetzt verfilmt die Regisseurin Caroline Link ein weiteres selbst geschriebenes Buch.

München Regisseurin und Oscar-Preisträgerin Caroline Link (43) hat ihrer Rückkehr ans Filmset nach langer Pause mit Lampenfieber entgegen gesehen. "Ich war wirklich nervös. Nervöser als vor meinem ersten Film, glaube ich, weil ich jetzt so lange nichts gemacht habe und weil dieser Stoff auch nicht ganz einfach ist", sagte Link am Rande der Dreharbeiten zu ihrem vierten Kinofilm "Im Winter ein Jahr" in München.

Mit Karoline Herfurth, Josef Bierbichler und Corinna Harfouch in den Hauptrollen verfilmt sie die Geschichte einer zerrissenen Familie, die den Tod des 19-jährigen Sohnes und Bruders verkraften muss. Die anfängliche Aufregung legte sich bei Link dabei schon bald wieder: Inzwischen fühle sie sich "so gelöst und so befreit und so glücklich wie noch nie bei einem Dreh zuvor". "Im Winter ein Jahr" ist Links erster Film nach "Nirgendwo in Afrika", für den sie 2003 mit dem Oscar ausgezeichnet worden war. Nach dieser Ehrung habe sie zunächst versucht, zwei Filme - darunter auch den aktuellen - in den USA zu realisieren.

Erst der Oscar, dann der Stress

"Nach dem Oscar kamen da unheimlich viele Angebote und Drehbücher", sagte sie. Aus zwei geplanten Projekten sei wegen schwieriger Vertragsverhandlungen mit Schauspielern nichts geworden. Schließlich habe sie beschlossen, den Film lieber in Deutschland zu drehen. Als Niederlage empfinde sie dies keineswegs, betonte Link. Ihr Engagement in den USA habe sie vielmehr eher "halbherzig" betrieben. "Ich dachte immer, man muss das machen - wenn man einen Oscar gewinnt, muss man einen Film in Amerika drehen. Ich habe mich damit auch ein bisschen unter Druck gesetzt. Auf der anderen Seite wollte ich nie. Ich hatte ja mein kleines Kind", sagte die Mutter der heute fünfjährigen Pauline.

Für die Zukunft schließt Link ein Filmprojekt in Hollywood aber noch nicht endgültig aus. Sie habe einen "unglaublich hartnäckigen" US-Agenten, der ihr auch jetzt wieder Stoffe schicke und "nicht locker" lasse. "Also vielleicht ergibt sich noch mal irgendwann etwas." Link verfasste das Drehbuch für "Im Winter ein Jahr" erneut selbst. Es basiert auf dem Roman "Aftermath" von Scott Campbell. Die Handlung: Eliane Richter (Harfouch) beauftragt den Maler Max Hollander (Bierbichler), ein Bild von ihren Kindern zu malen. Ihr 19-jähriger Sohn ist vor einem Jahr tödlich verunglückt. Ihre 22-jährige Tochter Lilli (Herfurth) ist Tänzerin. Um seine Modelle besser kennen zu lernen, lädt Max Lilli zu Sitzungen in sein Atelier ein. Zwischen den beiden entsteht eine besondere Beziehung. (mit ddp)