Der Tagesspiegel : Neuruppiner PDS büßt Bürgermeisteramt ein Wahl des neuen Stadtoberhauptes ohne Ergebnis. In drei Wochen gibt es eine Stichwahl

Claus-Dieter Steyer

Neuruppin. Die PDS hat gestern eine ihre Brandenburger Hochburgen verloren. Bei der Bürgermeisterwahl in Neuruppin erhielt ihre Kandidatin Kerstin Kroll nur knapp 13 Prozent der Stimmen. Die Stadt war zuvor elf Jahre lang von dem PDS-Bürgermeister Otto Theel regiert worden. Da der 64-Jährige in den Landtag wechselte, mussten die 26 000 Wahlberechtigten ein neues Stadtoberhaupt bestimmen. Dazu kam es jedoch nicht. SPD-Kandidat Ernst Bahr wie auch der frühere Wirtschaftsdezernent und jetzige Vorsitzender der unabhängigen Wählervereinigung „Pro Ruppin“, Jens-Peter Golde, scheiterten an der 50-Prozent-Klausel. So kommt es am 6. Februar zur Stichwahl.

Dabei dürfte der SPD-Bundestagsabgeordnete die größeren Erfolgschancen besitzen. Für ihn entschieden sich 49,8 Prozent der Wähler, sein Konkurrent Golde kam auf 35,5 Prozent. Die Stimmabgabe, an der sich 41 Prozent der Bürger beteiligten, stand unter dem Eindruck des größten Brandenburger Korruptionsskandals. Kurz vor dem Abschied des PDS-Chefs wurde das jahrelange Wirken einer regelrechten Mafia-Gruppierung bekannt. Die „XY-Bande“ verdiente nach bisherigen Ermittlungen große Summen mit Menschenschmuggel, Drogenhandel, Prostitution, illegalem Glücksspiel und Bestechung. Ihre Verbindungen reichten bis in die Stadtverwaltung und die Polizei. Seit der Razzia im August sitzen acht Personen in Untersuchungshaft, gegen 100 Verdächtige laufen Ermittlungen.

Eine Folge der Zerwürfnisse zeigte sich gestern auf den Wahlzetteln: Die CDU war mit keinem Kandidaten vertreten. Ihr früherer Stadtverordneter Olaf K., der im Stadtparlament den Haupt- und Finanzausschuss leitete, soll der Drahtzieher der XY-Bande gewesen sein.

„Ich bin natürlich über das Ergebnis unserer PDS-Chefin riesig enttäuscht“, sagte Ex-Bürgermeister Otto Theel. „2001 konnte ich die Wahl noch mit 57 Prozent für mich entscheiden.“

Mit dem 59-jährigen Ernst Bahr entschieden sich die meisten Wähler für einen Politiker, der mit dem Korruptionsskandal keine Berührung hatte. 1993 verließ der frühere Landrat die Stadt, um in der SPD-Fraktion des Bundestages zu arbeiten.

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