Neustrukturierung : Siemens peilt Weltspitze an

Mit einer Kampfansage an die Konkurrenz hat der krisengeschüttelte Siemens-Konzern seine Neustrukturierung öffentlich gemacht. Das Unternehmen ruht künftig auf drei Säulen und fünfzehn Divisionen.

Siemens Löscher Foto: ddp
Siemens-Chef Peter Löscher. -Foto: ddp

MünchenNach dem beschlossenen Konzernumbau will der krisengeschüttelte Siemens-Konzern beim Gewinn rasch zu den besten Konkurrenten aufschließen. "Wir wollen Weltspitze sein in allen unseren Arbeitsgebieten, auch bei der Ertragskraft", sagte Siemens-Chef Peter Löscher. Derzeit sei die Profitabilität noch nicht auf dem Niveau der besten Wettbewerber. Vor allem der US-Rivale General Electric liegt in vielen Bereichen noch vor Siemens. Daher will Löscher den neuen Arbeitsgebieten Industrie, Energie und Gesundheit ambitionierte Margenziele verordnen. Durch die neue Unternehmensstruktur werde Siemens schlagkräftiger werden und schneller wachsen.

Der Aufsichtsrat hatte am Vortag das neue Drei-Säulen-Modell abgesegnet. Gleichzeitig beschloss das Gremium eine neue Führungsstruktur mit nur noch acht statt bisher elf Vorständen. Die Chefs der 15 neuen Divisionen sollen in den nächsten Wochen bestimmt werden. "Das kann gar nicht geräuschlos abgehen", sagte Löscher angesichts der massiven Veränderungen. Allerdings setze er auf einen engen Dialog mit den Arbeitnehmervertretern. Wie viele Stellen durch die einfacheren Strukturen wegfallen könnten, ließ Löscher offen.

Der Vorstandschef betonte, dass es bei Siemens keinen Strategiewechsel geben soll. "Siemens war, ist und bleibt ein integrierter Technologiekonzern." Trotz aller Veränderungen in den vergangenen Monaten wolle er Kontinuität in der Strategie. "Und das ist die Ausrichtung auf Megatrends." Dies spiegele sich in den neuen Sektoren Industrie, Energie und Gesundheit wider. Im laufenden Jahr will Siemens so weiterhin doppelt so schnell wachsen wie die Weltwirtschaft, das operative Ergebnis soll noch einmal doppelt so schnell zulegen.

Kleinfelds Abgang wird teuer

Löscher hatte Anfang Juli die Nachfolge von Klaus Kleinfeld angetreten. Der Chef-Wechsel kam Siemens teuer zu stehen. Löscher wurde der Wechsel vom US-Konzern Merck zu Siemens mit einer Zahlung von rund 8,5 Millionen Euro versüßt. Mit dem Geld, das als Sonderdotierung auf Löschers Altersvorsorgekonto verbucht wird, sollen finanzielle Ansprüche ausgeglichen werden, die Löscher bei Merck zugestanden hätten. Vorgänger Kleinfeld wiederum erhielt 5,75 Millionen Euro zusätzlich zu seinem letzten Gehalt. Zwar lief sein Vertrag regulär aus, so dass ihm keine Abfindung zustand. Er einigte sich aber mit Siemens auf eine Wettbewerbsklausel, die den Wechsel zu einem Konkurrenten verhindert, und beriet den Konzern beim Übergang zu Löscher.

Aktionärsschützer kritisierten, dass der Konzern nicht schon beim Abschluss des Vorstandsvertrags von Kleinfeld auf eine Wettbewerbsklausel bestanden habe. "Das ist ein Versäumnis des Aufsichtsrats", sagt Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Löscher sagte zu diesem Thema lediglich: "Ich habe die Wettbewerbsklausel, das ist selbstverständlich." Ein Siemens-Sprecher betonte, auch Kleinfeld habe eine übliche Klausel in seinem Vertrag gehabt, die einen direkten Wechsel zur Konkurrenz verhindern soll. Allerdings hätte diese Klausel nur gegriffen, wenn der Vertrag aufgelöst worden wäre - und nicht, wenn er einfach ausläuft. (mac/dpa)