Der Tagesspiegel : Nie ohne meinen Oscar

Donnersmarck kehrte aus Hollywood zurück

Sebastian Gierke

Man hat nicht oft Gelegenheit, einen echten Oscar zu fühlen, gestern Abend im Flughafen Tegel war so eine. „Wer will ihn mal anfassen?“ Nein, Florian Henckel von Donnersmarck hat offenbar kein Sorgen, dass die Preisfigur aus Hollywood durch zu viel Befingern entweiht werden könnte. Obwohl er die Neugierigen gleich wissen ließ, mit dieser Berührung seien ihre Chancen, selbst einmal einen Oscar zu gewinnen, passé. So glaube man es jedenfalls in Hollywood.

Kurz vor 21 Uhr war er mit Frau Christiane und eben seinem Oscar in Tegel eingetroffen, aus Paris kommend, letzter Abschnitt der Rückreise aus Los Angeles. Die goldene Figur hatte er praktischerweise gleich ausgepackt dabei, da mussten die zahlreichen Kameraleute und Fotografen nicht lange warten, um mit ihrer Arbeit zu beginnen, und der Regisseur hat es ihnen auch danach sehr leicht gemacht. Mal herzte er die Kinder, mal posierte er mit seinem neuen goldigen Liebling – ein Erfolgsmensch genoss den frisch errungenen Ruhm in vollen Zügen.

Manche Anekdote, manches griffige Zitat ließ er dabei fallen: Rührendes, dass er seine beiden Kinder Lara und Leon sechs Wochen nicht gesehen habe und seine Frau im Juli das dritte Kind erwarte; oder dass er für seinen Film „Das Leben der Anderen“ noch die Promotiontour durch England und Italien vor sich habe und sich dann erst mal der vernachlässigten Familie widmen wolle. Auch gab es manches Pathos zu notieren, Oscar sei Dank. „Diesen Preis habe ich für Deutschland gewonnen“, begeisterte sich der Regisseur, ließ auch wissen, dass er morgen seinen Vater im Krankenhaus besuchen wolle, dann am Freitag zur Bundeskanzlerin fahre und am Sonnabend zu „Wetten dass...?“ Und schließlich machte er in der Stunde am Flugsteig den Lauschenden auch das höhere Ziel seiner Filmkunst bekannt. Das sei erreicht, wenn die Leute aus seinen Filmen kommen und dazu gebracht wurden, weiterzuleben und sich nicht umzubringen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben